Die Tech-Branche zeigt sich selbstkritisch
 
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Beklatscht wie ein Pop-Star: EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Quelle: Web Summit
 
 
  Guten Tag,

Wahrscheinlich hast Du davon gehört, in dieser Woche fand in Lissabon der Web Summit statt, die größte Tech-Konferenz der Welt. 70 000 Menschen aus der ganzen Welt fielen über die Stadt her und während sie sich in die U-Bahn zwängten, sich durch die Messe-Hallen drängten und abends die Restaurants und Bars der Stadt belagerten, muss wohl auch der Letzen klargeworden sein: Mit Außenseiterstatus oder Anderssein hat diese Branche längst nichts mehr zu tun. Tech – das ist jetzt Mitte der Gesellschaft.

Die Portugiesen haben das verstanden. 11 Millionen Euro wird die Stadt Lissabon jährlich dafür ausgegeben, damit der Web Summit auch in den kommenden zehn Jahren dort bleibt. Kapiert haben das auch die Tech-Konzerne. Vor allem jene aus dem Silicon Valley entsandten ihre Top-Managerinnen und -Manager zum Euro-Branchengipfel, damit sie dort auf großer Bühne Abbitte für vergangene Verfehlungen leisten konnten. So wie Jacqueline Fuller, Präsidentin der philanthropischen Stiftung Google.org. Sie forderte gleich am Eröffnungsabend mehr Frauen in der Tech-Branche ein, wo doch ihr eigener Konzern gerade von Sexismus-Skandalen erschüttert wird.  

Und da war natürlich Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web. Berners-Lee initiierte eine Art Zivil-Vertrag zur Rettung des Netzes vor Hass, Manipulation und Spaltung. Ihm zur Seite sprang Frankreichs Digital-Minister Mounir Mahjoubi auf die Bühne: Frankreich ist das erste Land der Welt, das Berners-Lees „Vertrag für das Web“ unterzeichnet hat.

Verstanden haben das vor allem auch die Spitzen-Politikerinnen der Europäischen Union: Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager wurde auf der Bühne beklatscht wie ein Pop-Star, als sie forderte, für Tech-Konzerne müssten dieselben Regeln gelten wie für Offline-Unternehmen. Und EU-Justizministerin Vera Jouróva forderte die Tech-Wirtschaft auf, sich endlich zu entscheiden, welche Rolle sie für die Gesellschaft eigentlich spielen wolle.

Nur eine treibende Kraft Europas fehlte: deutsche Politiker oder Politikerinnen. Hier bot sie sich nun, die Welt-Bühne vor der Haustür, auf der sie ihren Anspruch hätten geltend machen können, die neue Mitte der Gesellschaft mitzugestalten. Und niemand betrat sie.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
ADAS EINBLICK
 
 
 
 
  Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner will es wahrhaben. So ungefähr sieht die Situation derzeit im Netz aus: Über eine Milliarde Menschen waren im vergangenen Jahr Opfer von Cyberattacken und Cyberkriminalität. Brauchen wir also eine neue Definition von Krieg und Frieden und was hat das technologische Aufrüsten von heute mit den Kriegen von gestern zu tun – darüber sprach ada-Autorin Astrid Maier mit Brad Smith, Chefjustiziar von Microsoft. Smith sagt: „Wir stehen nicht vor einem dritten Weltkrieg. Aber gewisse Ähnlichkeiten sind mit der Geschichte nicht zu verleugnen.“ Übrigens: Heute jährt sich das Ende des ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal.  
 
 
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SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Der KI-Moderator, der keiner ist

Inmitten einer deftigen Glaubwürdigkeitskrise der Institutionen, die auch die Medien trifft, kommt China mit einer bemerkenswerten Lösung: der KI-Moderator übernimmt die Präsentation der Nachrichten. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat eine animierte Puppe vorgestellt, die mit künstlicher Stimme die News vorträgt. Bei seinem ersten Auftritt lieferte er gleich die Erklärung für seine Existenzberechtigung: „Die Medienindustrie muss sich permanent neu erfinden.”
 
 
Quelle: New China TV
 
 
 
 
 
Aber so? Richtig innovativ ist das nicht, wie die Sprechpuppe dann auch selbst zugibt. „Ich werde unermüdlich arbeiten, um euch informiert zu halten, indem Texte in mein System eingetippt werden.” Das hat wenig mit künstlicher Intelligenz zu tun und schon gar nichts mit Journalismus. Der beruht nämlich auf sehr menschlichen Kompetenzen: einer professionellen Ausbildung, Recherche, Erfahrung und der Fähigkeit, Geschehnisse in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können. Es ist sicher kein Zufall, dass der KI-Moderator in einem Land programmiert wurde, in dem die Medien zensiert werden.
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Wie kommuniziere ich richtig?

Digitale Kommunikation ist mehr als digitale Kommunikation. Das ist so doppeldeutig wie offenbar für Führungsmenschen schwer verständlich. Denn digitale Kommunikation verändert einerseits die Instrumente, über die kommuniziert wird – Smartphone statt Telefon, Slack statt Mail. Digitale Kommunikation verändert aber auch die Haltung, mit der kommuniziert wird. Beziehungsweise eben nicht, und das ist ein Problem. Darauf weisen Forscher*innen am MIT hin.

Demnach erkennen die meisten Führungskräfte ersteres und übersehen zweiteres. „Führungskräfte sind sehr davon angetan, ihre Leute von der Benutzung neuer Kommunikationstechnologie zu überzeugen. Nach der Einführung findet dann aber kaum Kommunikation statt“, schreiben sie. Und das liege daran, dass viele Führungsmenschen unterschätzen, dass die Digitalisierung von (Führungs-)Kommunikation nicht nur ein technologischer, sondern auch ein kultureller Wandel sei. Oder anders gesagt: Wenn nicht gleichzeitig die Kommunikation auch transparenter und ehrlicher werde, sei die Einführung digitaler Kommunikationsmittel nicht nur wirkungslos, sondern auch kontraproduktiv. „Ein Informationsloch führt zu Zweifeln, Zynismus und Angst“, schreiben die Autor*innen – und empfehlen einige konkrete Schritte dagegen.
 
 
 
 
 
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Die #SheMeansBusiness Roadshow geht weiter
 
#SheMeansBusiness ist die Initiative von WirtschaftsWoche und Facebook, die digitale Vorreiterinnen aus dem Mittelstand in den Fokus stellt. Am 15. November 2018 geht es in Köln weiter mit der Roadshow durch die Nation. Wir sprechen unter anderem mit Fujitsu-Vorständin Vera Schneevoigt und lassen uns von Best Cases zum Thema Internet of Things inspirieren. Der letzte diesjährige Termin dieser Reihe findet am 26. November 2018 in Hamburg statt. Dort erfahren wir mehr über die Blockchain.
 
 
 
 
 
 
 
  #SheMeansBusiness ist der Treffpunkt für alle, die sich von tollen Frauen für ihre unternehmerische Zukunft begeistern lassen möchten.

Alle Informationen findest Du hier.
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
„Glücklich zu sein, ist nicht so ernst, wie es scheint”

Zum Abschluss eines jedes Essens in einem chinesischen Restaurant gehört ein Glückskeks - ein „Fortune Cookie”. Darin findet sich ein kleiner gerollter Zettel mit einer Botschaft. Manchmal wirken die etwas zufällig, und dennoch lesen die Empfänger*innen darin oft einen Motivationsschubs zur Veränderung. Mein Cookie-Moment geschah spät nachts in einem Casino in St. Louis, Missouri. Auf dem Papierchen stand: „It’s time to start something new.” Was ich dann getan habe. Rückblickend wird aus Zufall Vorsehung.
 
 
Quelle: Alexander Reben
 
 
 
 
 
Der Künstler und Roboingenieur Alexander Reben hat diese menschliche Tradition der Weissagung nun in künstliche Intelligenz übersetzt und einen Glückskeks-Algorithmus geschaffen. Das Resultat kann uns zu denken geben. Etwa 75 Prozent der KI-Botschaften fielen extrem negativ aus. Was an den Daten liegen mag, mit denen der Algorithmus gefüttert wurde. Reben will mit dem künstlerischen KI-Projekt darauf verweisen, wie sehr Menschen dazu neigen, sich selbst in Technologien gespiegelt zu sehen. „Glücklich zu sein, ist nicht so ernst, wie es scheint” („Being happy is not as serious as it appears”).

Darin liegt dann schon eine Portion Lebensweisheit. Auf der Suche nach Glück wird uns Technologie kaum helfen. Und wer sich allzu verkrampft auf die Suche macht, wird das Glück nicht finden. Dazu hat der großartige Kommunikationssoziologe Paul Watzlawick einmal gesagt: „Die Möglichkeit des Glücks liegt in der Tat in der Aufgabe der Idee, man müsse das Glück erreichen. Man kommt dann möglicherweise zu der Einsicht, dass die Suche allein am Nichtfinden schuld war.”
 
 
 
 
 
PODCAST
 
 
 
 
 
Bonus-Folge: Dorothee Bär und Tim Berresheim im Gespräch
 
Was können Unternehmenslenker*innen tun, um Ängste und Vorbehalte vor Künstlicher Intelligenz abzubauen? Welche Chancen hat Politik, Begeisterung statt Bedenken zu schüren? Und was bleibt vom Wirtschaftswunder, wenn analog und digital keine Optionen, sondern verschmelzende Realitäten sind? Darüber hat Miriam Meckel mit zwei wirkliche spannenden Gestaltern gesprochen: Staatsministerin Dorothee Bär und Künstler Tim Berresheim.
 
 
 
     
 
 
 
 
 
ADA-LESER*INNEN-ABEND
 
 
 
 
 
Du bist eingeladen!
 
Hast Du die erste Ausgabe unseres Magazins schon durchgelesen? Dann sind wir gespannt auf Dein Feedback: Was hat Dir gefallen? Was können wir noch besser machen? Wir laden Dich deshalb herzlich zu unserem ersten ada-Leser*innenabend ein – am Montag, den 3. Dezember um 19 Uhr in unserer Redaktion in Düsseldorf. Hier kannst Du Dich anmelden.
 
 
 
 
 
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