Und: Wann kommt die generelle künstliche Intelligenz?
 
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Katharina Barley und Dorothee Bär unterzeichneten gemeinsam den "Contract for the Web".
Quelle: Getty Images
 
 
  Guten Tag,

das Internet hat in Deutschland jetzt den gleichen Status wie Straßenbeleuchtung: es ist ein öffentliches Gut. Das jedenfalls sagt Justizministerin Katharina Barley, die in dieser Woche gemeinsam mit Digitalstaatsministerin Dorothee Bär den „Contract for the Webunterschrieben hat, der vom Erfinder des Webs, Sir Tim Berners-Lee, initiiert wurde. Deutschland verpflichtet sich damit sicherzustellen, dass das Internet für jede*n verfügbar ist, „damit jeder Mensch, ungeachtet seiner Identität oder seines Wohnorts, aktiv am Online-Geschehen teilhaben kann“, so steht es im Vertrag.

Nun ist es aber so, dass öffentliche Güter in Deutschland regional ungleich verteilt sind. Wer einmal nachts durch das ländliche Niedersachsen gefahren ist, merkt schnell, dass es dort nach Sonnenuntergang mitunter stockfinster ist. In kleinen Dörfern lohnt sich das Beleuchten mit Straßenlaternen nicht. Und auch beim Breitbandausbau spart man in den dünn besiedelten Gegenden. Während die User*innen in den Großstädten in Höchstgeschwindigkeit durchs Netz surfen, kriechen sie auf dem Land im Schneckentempo hinterher.

So gut gemeint die Unterschrift unter dem „Contract for the Web“ auch sein mag: Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei der Bundesregierung weit auseinander, wenn es um die Schaffung guter Bedingungen für den Digitalstandort Deutschland geht. Kürzlich erst hat Forschungsministerin Anja Karliczek verkündet, 5G, die Funktechnologie für das Internet der Dinge, sei nun wirklich nicht an jeder Milchkanne notwendig. 4G müsse erst mal reichen. „Um in die Fläche zu gehen, können wir uns ein bisschen Zeit lassen.“

Ein bisschen Zeit gelassen haben sich auch die Ausrichter*innen der CeBit, und zwar mit innovativen Konzepten zur Wiederbelebung der Computermesse. In der Zwischenzeit zogen andere Technologiekonferenzen mit spannenderen Formaten an ihr vorbei. Deshalb wurde die einst größte Technologiemesse der Welt nun nach drei Jahrzehnten eingestellt.

Wenn Deutschland an seiner Taktik des symbolischen Versprechens und verzagten Abwartens festhält, sieht es für seine Zukunft als Technologiestandort finster aus. Es wird Zeit, dass wir nicht nur Unterschriften setzen, Strategien verkünden und Agenturen für Sprunginnovationen gründen, sondern Veränderungen auch entschlossen umsetzen.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Wir wissen, dass wir nichts wissen

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Der Satz ist inzwischen so geflügelt, dass es schon ganz egal ist, ob ihn Mark Twain, Niels Bohr oder Karl Valentin zuerst gesagt haben soll. Aber er schwebt gerade aus den Höhen der Sinnsprüche zurück auf die Erde und landet in unser aller Sicht. Denn die heiß umstrittene Frage, ob es jemals eine generelle künstliche Intelligenz (AGI) geben wird, und wenn ja, wann, hat den Satz wieder populär gemacht. Er könnte auch Leitmotiv einer Befragung der 23 Top Expert*innen weltweit sein, deren Resultate der Zukunftsforscher Martin Ford nun in seinem Buch „Architects of Intelligence“ vorgelegt hat.

Nur zwei der Befragten wagen es überhaupt, einen Zeitpunkt zu nennen, wann eine AGI uns beglücken oder bekämpfen wird. Ray Kurzweil, Chef-Futurist bei Google, glaubt an das Jahr 2029. Das wäre ziemlich bald. Der Informatiker Rodney Brooks dagegen nennt das Jahr 2200. Da können wir alle mal tief durchatmen. Wir wissen also nur, dass wir derzeit nichts wissen. Das fängt mit der Frage an, ob anspruchsvollere Formen des Machine Learning, wie Transferlernen und nicht überwachtes Lernen, KI-Systeme tatsächlich in die Selbständigkeit führen können. Und es reicht bis zur existentialphilosophischen Frage, ob es wirklich eine KI geben könnte, die menschlich intelligent, also auch mit einem Bewusstsein ausgestattet ist.

Es ist daher, sagen wir: mutig, wenn Elon Musk soeben in einem Interview behauptet, wir würden innerhalb einer Dekade mit künstlicher Intelligenz verschmelzen. Indem er uns alle über seine Firma Neuralink mit einem Hirninplantat ausstattet, durch das wir drahtlos an eine künstlich intelligente Brain Cloud angeschlossen sein werden. Musk sieht das als Überlebensvoraussetzung, wollen wir nicht als Insassen eines von der AGI gesteuerten Menschenzoos enden. Die Grundlagen dafür hat der Philosoph Peter Sloterdijk bereits 2000 in seinem Buch „Regeln für den Menschenpark“ beschrieben und damit eine zum Teil wütende Debatte über „positive Eugenik“ ausgelöst. Bei der künstlichen Intelligenz zeigen sich Parallelen.

Wir scheinen begabt darin, auch die Umstände zu suchen, in denen wir uns selbst abschaffen können. Regeln für den KI-Zoo geben uns jedenfalls nicht die Algorithmen. Die geben wir uns selbst. Oder wie es die Harvardprofessorin Barbara Grosz in Fords Buch beschreibt: „Es ist wirklich nicht gut, wenn wir uns durch wilde Zukunftsszenarien von den derzeitigen ethischen Fragen rund um KI ablenken lassen.“
 
 
 
 
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
 
Im Tal der Enttäuschung

Überall ist gerade vom dramatischen Absturz der Kryptowährung Bitcoin zu lesen. Der Bitcoin hat zuletzt massiv an Wert verloren; zwischenzeitlich fiel er gar unter die Marke von 4000 Dollar. Manche rufen deshalb bereits das Ende der wichtigsten Kryptowährung aus und stellen auch gleich die gesamte dahinterliegende Blockchain-Technologie infrage. Innovationsforscher*innen beschwichtigen und verweisen auf Technologielebenszyklen, die Innovationen durchlaufen.

 
Der wohl bekannteste ist der Gartner Hype Cycle. Ihm zufolge steht am Anfang die technologische Neuerfindung, die zunächst nur einige "early adopter" ausprobieren. Je bekannter die Innovation wird und je mehr Menschen sie nutzen, desto höher erklimmt sie den "Gipfel der überzogenen Erwartungen". Nach dieser Hype-Phase folgt irgendwann zwangsläufig die Ernüchterung, wenn erste Unternehmen, die früh auf die Technologie gesetzt haben, scheitern. Dann beginnt der Abstieg ins "Tal der Enttäuschung".
 
 
 
 
Quelle: Gartner
 
 
 
 
 
Glaubt man dem US-Beratungsunternehmen Gartner, dann bewegt sich die Blockchain-Technologie auf diese Phase zu. Heike Hölzner, Professorin an der HTW Berlin, betont, dass das per se nicht schlecht sei. "Die Phase der überzogenen Erwartungen hat dazu geführt, dass Risikokapital angesammelt und in die Technologie investiert wurde", sagt sie. Ohne die dotcom-Blase wäre auch weniger Geld in Google, Amazon & Co. investiert worden und deren schnelles Wachstum kaum möglich gewesen.

Denn: In der Regel folgt nach dem Tal der Enttäuschung der "Pfad der Erleuchtung". Dann kristallisiert sich die Substanz hinter der Technologie heraus, bis sie dann schließlich auf dem "Plateau der Produktivität" und im Mainstream ankommt.

Allerdings ist der Hype Cycle nur eines von vielen Modellen zur Entwicklung von Technologien. Er dient vielen als Orientierungshilfe, kann aber keine zuverlässigen Zukunftsprognosen stellen. Erst recht nicht zur weiteren Entwicklung des Bitcoin-Kurses: Der ist weitgehend unabhängig von der Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie und wird noch einmal von vielen weiteren Faktoren beeinflusst.
 
 
 
 
 
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me Convention: See you in 2019!
 
Die me Convention von Mercedes-Benz und South by Southwest blickt auf ein spannendes Jahr zurück: Im März waren wir zum ersten Mal auf der SXSW in Austin vertreten und im September ging es für die me Convention nach Stockholm.

Unsere Highlights aus 2018? Ganz vorne mit dabei ist Tech-Magier Thomas Webb (aka Tom London), der das Publikum mit einer spektakulären Live-Hacking-Show verzauberte. Der ABBA Superstar Björn Ulvaeus sprach über den Einfluss der globalen Digitalisierung in der Musikbranche, und Carl Öhman (Oxford Internet Institute) diskutierte mit Jed Brubaker (University of Colorado Boulder) über unser „Digital Afterlife“.

Auch 2019 sind wir wieder in Austin mit dabei: Merke Dir schon jetzt den 8.-16. März 2019 & hol dir alle News rund um die me Convention auf unserer Homepage!
 
 
   
 
 
 
 
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Zellfonitis
 
“Gehe ins Gefängnis”, der Satz ist keine Belohnung, sondern eine Strafe. Das wissen sogar Menschen, die nicht zu den passionierten Monopoly-Spieler*innen gehören. In Südkorea dreht ein privates Gefängnis nun den Spieß um. Haft als Heilung von allem, was den modernen Alltag schwer erträglich macht. Dazu gehört mal an allererster Stelle das Smartphone. Wie im richtigen Gefängnis für Verbrechen und Strafen müssen die Insassen ihr Telefon gleich mal am Eingang abgeben. Auch sprechen dürfen sie nicht miteinander, und es gibt keine Uhren.
 
 
 
 
Quelle: Quartz
 
 
 
 
 
Die Zeit steht still im Hier und Jetzt, und man selbst steht mittendrin. „Inside me” lautet der Name der Institution in der Provinz Hongcheon östlich der Hauptstadt Seoul. Offenbar ist der Berufs- und Lebensalltag in Südkorea so überfordernd, dass der Blick ins Selbst nur durch die Zwangsisolation von allen äußeren Einflüssen gelingt. Was es heißt, in sich gefangen zu sein, durchzieht als Motiv die Literaturgeschichte, zum Beispiel den berühmten Roman der amerikanischen Autorin Sylvia Plath mit dem programmatischen Titel „The Bell Jar” (die Glasglocke). Irgendwie scheinen in den vergangenen Jahrzehnten die realen und virtuellen Fesseln von innen nach außen gerutscht zu sein. Nur ein Gefängnis kann sie lösen? Eine 28-jährige Insassin sagt: „Dieses Gefängnis gibt mir das Gefühl der Freiheit.”
 
 
 
 
 
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