Wie Maschinen zu Moralaposteln werden
 
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Quelle: Giphy
 
 
  Guten Tag,

Teenager, die beim heimlichen Rauchen von der großen Schwester erwischt werden, können sich für gewöhnlich auf die eiserne Regel unter Geschwistern berufen: Petzen ist tabu. Diese Zeiten sind bald vorbei – zumindest, wenn es nach Forscher*innen der Universität Bergen geht. Sie schlagen vor, dass smarte Assistenten wie Amazon Echo oder Google Home um eine moralische Komponente ergänzt werden sollen. Wenn sie illegale Aktivitäten im Haushalt registrieren – zum Beispiel den Konsum von Marihuana – sollen sie die Eltern oder gar die Polizei informieren.

Ein sogenannter „artificial moral agent“ soll aber niemanden leichtfertig verpfeifen. Das System werde die verschiedenen rechtlichen und normativen Faktoren aller Beteiligten sorgfältig abwägen und so zu einer „ethischen Entscheidung“ kommen, heißt es in der Studie.

Es handelt sich um ein Gedankenexperiment, in dem die Maschine eine moralische Autorität einnimmt. Sie wird zum objektgewordenen Gewissen im Raum, wie die sprechende Grille im Disney-Klassiker Pinocchio, die ihm dabei helfen soll, richtiges und falsches Verhalten voneinander zu unterscheiden. Allerdings genoss die Grille Jiminy auch nur deshalb so viel Sympathie, weil sie Pinocchio niemals verpetzt oder seine Privatsphäre missachtet hätte. So viel zur Moral von der Geschicht'.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Mich gibt’s gar nicht

Wie aus dem Nichts ist im Netz auf Reddit kürzlich der Hinweis auf eine Website aufgetaucht, die Gesichter erschafft. Von Menschen, die es nicht gibt. Der Name der Website gibt darauf einen deutlichen Hinweis: https://thispersondoesnotexist.com Ansonsten gibt es wenig weitere Infos. Im Hintergrund arbeitet ein GAN (Generative Adversarial Network), bei dem sozusagen zwei neuronale Netze miteinander Bingo um das realistischste Angesicht spielen. Und dahinter steckt offenbar ein Forscherteam von Nvidia.
 
 
Künstlich berechnete Gesichter. Quelle: https://thispersondoesnotexist.com
 
 
  Welchen Sinn hat es, zufallsgesteuert Gesichter von Menschen zu kreieren, die es gar nicht gibt? Wer die Seite ein paar Mal neu lädt und jedes Mal ein anderes Gesicht zu sehen bekommt, erfährt etwas über die Möglichkeiten der Gesichtergenerierung. Manche sind durchaus ein bisschen gruselig, manche ziemlich gut gelungen. Ein genauer Blick auf die Beispiele oben zeigt: Die Frau links hat einen seltsamen Bildfehler auf der rechten Schulter, der Mann rechts das Fragment einer Halskette umgelegt. Bei dem kleinen Kind hingegen, wird es schwierig, einen Fehler zu finden. Auch die Berechnung von künstlichen Gesichtern steckt noch in den Kinderschuhen. Irgendwann in Zukunft werden wir vor die Tür gehen müssen, um sicher zu sein, dass ein Gesicht zu einem echten Menschen gehört.  
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Party like it's 1989

Am 12. März feiert das World Wide Web 30. Geburtstag. Ein Grund zu feiern, dachten sich Entwickler*innen am Schweizer Forschungsinstitut CERN, der Geburtsstätte des WWW, und machten sich daran, den Original-Browser von damals wieder auferstehen zu lassen. Wer sehen möchte, wie das Web vor 30 Jahren seinen Anfang nahm, kann das hier tun (Achtung, die Seite ist konsequenterweise nicht mobil-optimiert 😉).

Wer sich durch die einfache, textbasierte Schwarzweiß-Welt des frühen World Wide Web klickt, wird schnell bemerken, wie sehr wir uns bereits an benutzerfreundlichere Oberflächen gewöhnt haben. Oder trauert irgendjemand dem Doppelklick nach, ohne den damals nichts ging? Wer hätte zu dieser Zeit geahnt, dass diese bescheiden anmutende Startversion unser globales Wirtschafts- und Gesellschaftssystem innerhalb weniger Jahre völlig transformieren würde? Auch wenn wir euch sonst lieber auf eine Reise in die Zukunft schicken, dieser Blick in die Vergangenheit lohnt sich.
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Ist Sharing caring?
 
Wenn die 5-jährige Evangeline sich in einigen Jahren mal selbst googelt, wird sie einiges im Internet über sich finden. Unter anderem ein Video, in dem ihre Mutter ihr ein Liebeslied singt („Mother”). Ihre Mutter, das ist die Countrysängerin Brandi Carlile, die soeben für ihr Album „The Joke” drei Grammys gewonnen hat. Der Song beginnt mit einem programmatischen Satz: „Welcome to the end of being alone inside your mind.”

Es gibt noch ein zweites Ich – nicht nur Töchter und Söhne prominenter Künstler*innen haben irgendwann in ihrem frühen Leben diesen Moment der zweifachen Selbsterkenntnis. Das gilt vielmehr für 92 Prozent der bis zweijährigen Kinder, die bereits eine zweite digitale Identität besitzen. Sie selbst haben damit wenig zu tun, ihre Eltern haben die für sie erstellt. Ab heute wächst nahezu jedes Kind mit einer von den Eltern geschaffenen Social-Media-Identität auf, mit der sie umgehen müssen, ob sie wollen oder nicht. Ein Viertel der digitalen Zweitidentitäten startet übrigens mit einem geposteten Ultraschallbild aus der Schwangerschaft der Mutter. Welcome to the end of being alone inside your mind.
 
 
   
 
  „Sharenting” nennt sich das Phänomen, wenn Eltern für ihre Kinder ohne deren Zustimmung ein ganzes Online-Narrativ schaffen. Dem liegt offenkundig eher das Interesse der Eltern als der Kinder zugrunde. „Wenn ich aufhöre, über meine Tochter zu posten”, so berichtet eine Mutter in einem Essay für die Washington Post, „würde ich einen lebenswichtigen Teil meiner selbst abschalten. Das wäre nicht gut für mich und auch nicht für meine Tochter.” Am zweiten Teil dieses Satzes darf man Zweifel anmelden. Ein gutes Leben beginnt damit, selbst darüber bestimmen zu können, welche Teile der eigenen Identität öffentlich werden sollen. Auch im Eltern-Kinder-Verhältnis sollte das Gebot informationeller Selbstbestimmung gültig sein.  
 
 
 
 
PODCAST
 
 
 
 
 
Wann fährt Dein Auto von selbst – und wozu?
 
In Deutschland bündeln die großen Automobilhersteller ihre Kräfte beim Thema autonomes Fahren, in Arizona kann man sich per App schon ein Robotaxi buchen. Wie weit fahren die Amerikaner den Deutschen voraus und wer kann wen noch wie überholen? Darüber sprechen Sven Prange und Astrid Maier mit Carsten Breitfeld, dem Chairman des Elektro-Auto-Pioniers Byton aus China.

 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
Miriam Meckel
 
 
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