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Fußballer Mario Gomez: „Ich komm’ nicht mehr mit, was man bestellen muss, um ein Spiel zu sehen.“
Quelle: Getty Images
 
 
  Guten Tag,

Wer in diesen Tagen Fußballfan ist und alle Spiele der gerade gestarteten Champions League und der laufenden Bundesliga live sehen will, kann schnell den Überblick verlieren. Er oder sie braucht nämlich kostenpflichtige Abos von nicht weniger als drei verschiedenen Anbietern: Sky, Eurosport und dem Streamingdienst DAZN. Wer von ihnen welche Spiele überträgt – da blickt selbst Ex-Nationalspieler Mario Gomez nicht mehr durch. „Das ist ein Trend, der mir überhaupt nicht gefällt“, sagte er kürzlich.

Die Zeiten, in denen Fans einfach den Fernseher einschalten und ihre Lieblingsmannschaft im Free TV anfeuern konnten, sind jedenfalls vorbei. Ebenso die Tage, in denen es für Kneipen ausreichte, ein Sky-Abo abzuschließen und einen Fernseher aufzuhängen, um Kunden an ihre Theken zu locken. Jetzt brauchen sie im Zweifel noch ein Smart TV und ein DAZN-Abo dazu. Der britische Streamingdienst hat den Markt für Sport-TV-Rechte innerhalb von nur zwei Jahren völlig umgekrempelt und will ihn mit Kampfpreisen erobern. Viele feiern DAZN bereits als Netflix des Sports.

Auch Netflix-Kunden haben laut einer Analyse häufig mehrere Streaming-Abos parallel, um wirklich all ihre Lieblingsserien sehen zu können. Klingt kompliziert, dabei sind die Architekten der sogenannten Plattformökonomie doch einst angetreten, unser Leben bequemer zu machen. In einer Welt zunehmender Unübersichtlichkeit sollten sich die Nutzer*innen der Abo-Giganten Netflix, Amazon oder Spotify zumindest auf eines verlassen können: dass sie die diversen Annehmlichkeiten des digitalen Lebens grenzenlos genießen können, während im Hintergrund geräuschlos die Monatsbeiträge automatisch von ihrem Konto abgehen. Heute konkurrieren die Bequemlichkeitsversprecher mit ihren Exklusivangeboten so sehr um die Zeit und Zuwendung ihrer Nutzer*innen, dass es für die langsam unbequem wird.

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Eure Miriam
 
 
 
 
 
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  Wo sind die Frauen?

In Kriegen und Konflikten weltweit sind Mädchen und Frauen am stärksten von sexualisierter Gewalt betroffen. Trotzdem sitzen sie in vielen Friedensverhandlungen nicht mit am Tisch. Die Menschenrechtsaktivistin Kristina Lunz will das ändern und hat deshalb in dieser Woche in Berlin das Centre for Feminist Foreign Policy gegründet. Im Interview erklärt sie, was sie unter feministischer Außen- und Sicherheitspolitik versteht und wie sie das Image des Feminismus in Deutschland aufbessern will.
 
 
 
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Verkehrte Welt

Der Mensch nimmt 90 Prozent aller Informationen über sein visuelles Sinnessystem auf. Kein Wunder also, wenn das sehr ökonomisch arbeitet nach Regeln, die effizient sind, aber nicht unbedingt für Überraschung sorgen. Allemal in einer Zeit, in der sekündlich ein Trommelfeuer der Informationen auf uns hernieder geht. Hennric Jokeit, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, führt uns das mit seinem Fotoprojekt “Goodhope” eindrücklich vor Augen. Seine Bilder irritieren auf den ersten Blick. Und das sollen sie auch. Was wir auf den Fotos sehen, ist in sein Gegenteil verkehrt. Aus dunkel wird hell, aus hell wird dunkel, negativ wird positiv und umgekehrt. Und so wird auch ein Krieger aus Star Wars zur Lichtgestalt, zum Retter aus der Dunkelheit.
 
 
Quelle: Hennric Jokeit, Goodhope
 

Wenn man die Fotos der Buchedition anschaut, merkt man, wie die Sinne langsamer werden. Das, was wir sonst ganz schematisch auf einen Blick erkennen, braucht mehr Aufmerksamkeit. Und plötzlich stellen sich Fragen an ein Bild, und ein Raum des Widerspruchs zum Erwarteten tut sich auf. “Goodhope” hätte ein Lieblingsbuch von Leonard Cohen werden können. Er hat mal gesagt: “There's a crack in everything. That's how the light gets in.”
 
 
 
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China – das schnellere Silicon Valley
 
In der vergangenen Woche haben wir uns von unserer Reise aus China gemeldet. Inzwischen sind wir zurückgekehrt - und müssen die Eindrücke erst einmal verdauen. Online-Shopping, mobiles Bezahlen, Digital-Marekting, extreme Kundenfokussierung: auf alle diesen Domänen können wir von der neu erwachten Technologie-Macht China noch einiges lernen in Deutschland. Was noch dort besonders gut funktioniert und was eher nicht, fassen wir gemeinsam mit unseren Kollegen von wiwo.de in einer neuen Chinatech-Serie zusammen. Das erste Stück gibt es hier zu lesen.
 
 
 
 
 
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Ada Lovelace Festival – das Programm
 
Wir sind sehr stolz auf das Line-Up unseres Ada Lovelace Festivals 2018 (11. & 12. Oktober, Berlin). Unter den Sprecherinnen unter anderem: Digitalministerin Dorothee Bär; Kriti Sharma, die bereits im Alter von 15 Jahren ihren ersten Roboter baute und heute Künstliche Intelligenz für soziale Zwecke einsetzt; Fränzi Kühne als Gründerin und Geschäftsführerin der Digitalagentur Torben, Lucie & die gelbe Gefahr und zugleich Deutschland jüngstes Aufsichtsratmitglied; Verena Pausder, die Apps für Kinder entwickelt; Milena Marin von Amnesty International, die es sich mit den Amnesty Decoders zum Ziel gesetzt hat, Verletzungen der Menschenrechte schneller und einfacher digital zu dokumentieren. Das aktuelle Programm findest Du hier.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Sind Roboter die besseren Liebhaber*innen?
 
“Liebst du mich?” Diese Frage sollte man nicht stellen. Drei Worte der Vergewisserungskommunikation, die über Glück und Unglück entscheiden können. Überprüfen lässt sich die Antwort nie, egal wie sie ausfällt. Man muss mit ihr leben. In Zukunft wird uns eine andere Frage umtreiben, wie sie der britische Schriftsteller Ian McEwan kürzlich in einer bezaubernden Kurzgeschichte gestellt hat: “Bist du echt?” In ihr steckt die Tragik der emotionalen Ungewissheit in Zeiten künstlicher Intelligenz. "Liebste, ich weiß, ich sollte nicht, aber ich muss es wissen. Natürlich steht es mir nicht zu, dich das zu fragen, [...] aber bitte, sag mir die Wahrheit. Bist du echt?" Damit taucht McEwan in die Tiefen eines möglichen Bewusstseins künstlich intelligenter Maschinen und stürzt in die Abgründe der Frage, was es bedeutet, wenn ein Mensch eine Maschine lieben kann.

Sherry Turkle, MIT-Professorin für Sozialpsychologie hat eine sehr klare Antwort parat. Es wird niemals eine Zeit digitaler Intimität geben, sagt sie. Jede Form der Empathie, des Bewusstseins, ja der Liebe, können Maschinen nur simulieren, aber niemals leben. Roboter verlassen uns nicht, werden nicht krank und sterben nicht. Sind sie also die besseren Liebhaber*innen, weil sie es uns einfacher machen? Nein, sagt Turkle. Wer lieben will, muss auch Widerstand, Enttäuschung und Unglück ertragen können. Wenn wir Menschen das nicht mehr können, sollten wir zunächst uns selbst neu und dann die liebenden Maschinen erfinden. “Meine Generation steht mit je einem Bein auf beiden Seiten einer Kluft, einer der tiefsten Senken in jenem stetig sich verlängernden Gebirgszug, den wir die Geschichte der Moderne nennen,” schreibt McEwan. Irgendwo in dieser Kluft verschwindet der Zauber unbedingter Gefühle. Echt jetzt?
 
 
 
 
 
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