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Robin Hood
 
Wird der Algorithmus zum Robin Hood im Netz? Quelle: Getty Images
 
 
  Guten Tag,

in der Marktwirtschaft soll ja ein sehr einfaches Prinzip gelten: Liegen über das Angebot eines Produktes und die Nachfrage nach selbigem Produkt alle Informationen transparent vor und bieten ausreichend viele Unternehmen das Produkt an, ergibt sich daraus ein fairer Preis. Das regelte über Jahrzehnte mehr oder weniger verlässlich den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Doch nun wird dieses Prinzip disruptiert. Bezahlt wird nun viel stärker nach einer bunten Mischung aus Angebot, Nachfrage, Tageszeit, Verkaufsprognosen – und bald wohl auch nach persönlichem Befinden und individueller Datenspur.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat über fünf Wochen mehr als 1000 Preise bei 16 Online-Händlern aus verschiedenen Branchen verglichen. Das Ergebnis: Die Preise ändern sich rasant und können sich innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppeln. Dahinter verbirgt sich: Dynamic Pricing. Das ist natürlich nicht ganz neu: Fluglinien etwa variieren schon länger ihre Preise auf diese Art. Neu ist, wie verbreitet das Phänomen nun ist.

Zumal die logische Fortsetzung des Dynamic Pricing nur eine Frage der Zeit ist: beim Personal Pricing richten sich Preise dann nach unseren ganz individuellen Merkmalen – unserem Wohnort, unserer Kaufhistorie, unserem Verhalten in sozialen Medien und vielen weiteren Faktoren, von denen wir nichts wissen. Und so sehen wir in Zukunft nur noch Werbung, die uns interessiert, für Produkte, die wir glauben zu brauchen, zu Preisen, die wir wahrscheinlich zu zahlen bereit sind. Jedem sein Preis – wenn das zur Regel wird, übernimmt der Algorithmus die Rolle Robin Hoods, der den Reichen Geld abknöpft, um den Ärmeren Rabatte zu geben. Damit Software das richtig beurteilen kann, bräuchte sie allerdings unser aller Daten – und das klingt schon wieder nicht so sehr nach Robin Hood.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
EINBLICK
 
 
 
 
  Können Menschen wirklich 1.000 Jahre alt werden? Und wie sähe unsere Welt dann aus? Aubrey de Grey macht sich darüber seit Jahrzehnten Gedanken. Der umstrittene Gerontologe will die Menschheit verjüngen und glaubt, dass ewiges Leben möglich ist. Milena Merten und Lilian Fiala haben den Wissenschaftler in seinem Labor im Silicon Valley getroffen und mit ihm über die Konsequenzen des ewigen Lebens gesprochen. De Grey trägt übrigens gerne Socken mit kleinen Totenköpfen darauf.  
 
 
Ganze Geschichte lesen
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Die meisten Kinder spielen mit Lego-Bausteinen, bevor sie lesen, schreiben oder rechnen können. Für Roboter ist diese kinderleichte Übung allerdings eine große Herausforderung: sie verlangt motorische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und Kreativität. Eine quantenmechanische Formelsammlung auswendig zu lernen würde dem Roboter wesentlich leichter fallen.

Forscher des Autodesk AI-Labs in San Francisco haben zwei Jahre gebraucht, um einen Roboter namens Brickbot zu entwickeln, der sich dank maschinellem Lernen und Sensorik das Bauen von Legotürmen selbst beibringen kann.

Die Legosteine sieht das Forscherteam selbstverständlich nur als ersten Schritt: Wenn Brickbot wie ein Kind nach dem Versuchs- und Irrtums-Prinzip lernen kann, wie sich Plastikbausteine aufeinander türmen lassen, kann er sich vielleicht auch bald selbst beibringen,  Elektronikteile zusammenzusetzen. Industrieroboter müssten dann nicht mehr aufwändig vom Menschen für spezifische Aufgaben programmiert werden - womit auch der Job des Programmierers in die Liste der aussterbenden Arten aufgenommen werden dürfte.
 
 
     
Brickbot
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Wo immer überraschend etwas Gutes entsteht, entsteht auch das Gegenteil. Für den französischen Kulturtheoretiker Paul Virilio ist die Geschichte des technischen Fortschritts deshalb ein dialektischer Prozess. “Wenn man ein Schiff erfindet, erfindet man gleichzeitig das Schiffswrack; wenn man ein Flugzeug erfindet, erfindet man auch den Flugzeugabsturz; und wenn man Elektrizität erfindet, erfindet man auch den elektrischen Stuhl.”

Gleiches gilt für den 3D-Druck, wie der Fall Cody Wilson zeigt. Der Amerikaner hatte mit seiner Organisation “Defense Distributed” vor einigen Tagen vom State Department das Recht erstritten, den Bauplan für die meisten gängigen Waffen ins Internet zu stellen. Die kann man sich dann runterladen und die Waffe mit einem 3D-Drucker ausdrucken.

Oh. Plötzlich wurde manch einem klar, was das heißt. Es begann eine Justizschlacht gegen das State Department. Vorerst blockiert “Defense Distributed” nun den Zugang zur Website mit den Blaupausen. Davon sind aber längst tausende im Umlauf. Eine Information lässt sich vorläufig blockieren, ein Leben aber nicht vorläufig beenden.
 
 
 
 
 
 
 
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DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
 
 
Es lohnt sich, im Urlaub mal wieder ein kleines Experiment zu machen. Nicht das lesen, was man immer liest. Vor allem keine Emails. Und vor vor allem nicht auf dem Telefon. Klar, kein Problem, wissen wir alle. Theoretisch. Praktisch wird aus Einsicht das Eingeständnis, dass es dann meistens doch nicht klappt.

Ablenkung und Zerstreuung sind das Geschäftsmodell der großen Tech-Konzerne. Je häufiger und länger wir mit dem Blick am Smartphone kleben, desto besser für die Performance. Allerdings nur die der Konzerne. Die der Menschen leidet. Mehr als zehn Jahre Forschung haben ein Konvolut an Erkenntnissen hervorgebracht, was die permanente Ablenkung durch Gerät und Benachrichtigungen mit uns macht. Wir werden langsamer, unkonzentrierter, ja sogar dümmer. Unsere Gedanken springen ständig hin und her, kaum jemand hat noch eine Aufmerksamkeitsspanne, die besser ist als die eines Goldfischs. Wir fühlen uns einsam und werden unglücklich.

Wenn das Alleinstellungsmerkmal der menschlichen gegenüber der künstlichen Intelligenz in Zukunft darin liegt, dass Menschen empathiefähig sind, sich Freunden, Kolleginnen oder Kunden besonders zuwenden können, sollten wir noch mal nachdenken. Dann geht es nicht darum, immer überall für alles erreichbar zu sein. Unsere Aufmerksamkeit für etwas oder jemanden ist das wertvollste, was wir vergeben können. Das zu verstehen, ist der erste Schritt zu einem guten Leben im Digitalen.

Weitere Schritte in ein gutes digitales Leben stellen wir in unserem Podcast diese Woche vor: Darin erfahrt ihr, wie ihr Technologien produktiv nutzen könnt, ohne abhängig von ihnen zu werden.
 
 
 
     
 
 
 
 
 
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AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
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