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Star der diesjährigen SXSW: Alexandria Ocasio-Cortez (AOC). Quelle: Getty Images
 
 
  Guten Tag,

Es ist Tag zwei in Austin und die spannendste Veranstaltung auf der SXSW findet ganz zum Schluss statt: Über drei Stockwerke stehen die Menschen rund um das Convention Center an, zum Teil schwitzen sie mit roten Köpfen in der Sonne vor sich hin. Auch ein Teil des ada-Teams darunter, denn wir sind mit dabei auf dem besten Tech- und Vordenkerfestival der Welt. Die, die schon im Hauptsaal dem Vorredner zugehört haben, gehen erst gar nicht raus. Den Haupt-Akt des Abends gibt aber weder Elon Musk, noch sonst ein*e Expert*in für Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Robotik. Die Menschen drängeln in den Saal, um Alexandria Ocasio-Cortez zu sehen, das größte politische Talent, das die Demokraten seit Barack Obama hervorgebracht haben – und die den Demokraten in den vergangenen Monaten einen heftigen Linksdrall verpasst hat.

Zuvor sprach schon die demokratische Senatorin und Präsidentschaftsanswärterin Elizabeth Warren. Sie drohte, die großen Tech-Konzerne zu zerschlagen, sollte sie an die Macht kommen. „Die großen Plattformen zerstören den Wettbewerb – kleine Unternehmen haben gegen sie keine Chance“, sagte sie auf der SXSW-Bühne.  Howard Schultz, bis zum vergangenen Jahr noch Starbucks-Chef, bekräftige früh am Morgen in Austin, dass es ihm mit seinem Ansinnen, als unabhängiger, gemäßigter Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2020 anzutreten, ziemlich ernst ist. Meg Whitman, einst Chefin von HP und eBay und mittlerweile Startup-Unternehmerin, sagte am Tag zuvor, auf einer Skala von eins bis zehn sei sie um den Faktor zwölf um ihr Land besorgt.  

Ocasio-Cortez, von Fans AOC genannt, enttäuschte ihre Anhänger*innen am Samstag nicht. Sie zeichnete ein Bild von einem Techno-Futurismus, in dem die Menschen dank Robotern weniger arbeiten, mehr verdienen und in einer Welt leben, in der der Wohlstand gerechter verteilt ist. So kann man über Technologie auch reden. Draußen vor dem Convention Center warteten schon texanische Protestierende auf Ocasio-Cortez, die ihre Ansichten als Alice-im-Wunderland-Phantasien oder schlimmer noch Sozialismus, also unamerikanisch und damit für das Ende der Welt halten. Politik und Technologie, das ist 2019 in Austin offensichtlich geworden, lassen sich ab jetzt nicht mehr auseinanderdividieren.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
ADAS EINBLICK
 
 
 
 
  „Technologie hat uns stärker gemacht als je zuvor

Ihren ersten großen Auftritt vor der Weltöffentlichkeit hatte in diesem Jahr in Austin auch Priscilla Chan. Sie ist die Ehefrau von Mark Zuckerberg und Chefin der wohltätigen Chan Zuckerberg Initiative. Wie sie vorhat, die Welt mit 99 Prozent ihres Vermögens zu verbessern und warum es ihrem Mann gar nicht schadet, wenn sich die Frau hier in den Vordergrund trägt, hat Astrid Maier beobachtet.
 
 
 
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SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Schön auf dem Teppich bleiben

Das Ada-Team ist nicht alleine auf SXSW-Erkundungsreise. Gemeinsam mit Kolleg*innen der WirtschaftsWoche und einer Delegation von Entscheider*innen der deutschen Wirtschaft machen wir uns jeden Morgen auf den Weg, um uns durch den Dschungel von Panel- und Diskussions-Runden besser auf das Morgen vorzubereiten. Zum Teil geht das mit der Zukunft schon ganz praktisch in der Lobby des Konferenz-Zentrums los. Dort steht Austins Coffee Robot Briggo. Per Kreditkarte oder Smartphone aktiviert, reichen einem aus dem Kaffeeautomaten Roboterarme keine Plörre, sondern ziemlich leckeren Cappuccino heraus. Den braucht man auch, um durchzuhalten.



Die Konferenz verteilt sich auf viele Hotels rund um die Kongresshalle der Stadt. Um einer künstlichen Intelligenz beim Debattieren mit einem Menschen zuzuhören, eilt man dann mal schnell ins Hilton, um danach ins JW Marriot zu rennen, wo sich irgendwo die Zukunft des Handels verstecken soll. Von dort aus dann noch schnell zum Fairmont („Wie können wir der Massenüberwachung durch Technologie entgegentreten?“ ) und schließlich landet man, mit Glück, erschöpft zur Pause im Garten des Four Seasons. Da kann man schon mal den Überblick verlieren, wo man eigentlich geblieben ist. „Will Technology Enrich Human Creativity?“ , fragt auch noch immer wieder ein Plakat auf dem Sony-Haus, an dem man mehrmals am Tag vorbeihetzen muss, um zurück in die Kongresshalle zu gelangen. Unsere Gruppe hat die Frage ernst genommen. Der einziges Hinweis, wo man überhaupt gerade steckt, geben einem die scheußlichen Teppiche in den vielen Hotels. Wir haben aus den hässlichsten eine schöne Kollage gemacht. Low Tech zwar, aber High Fun. Und eindeutig kreativ.
 
 
Quelle: ada-Collective
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Think like a Futurist

Was haben der US-Einzelhandelskonzern Walmart und die aktuellen Fortschritte in der Biologie und Gentechnologie gemeinsam? Eine Menge, sagt Zukunftsforscherin Amy Webb.

Die Fortschritte in der Forschung werden nämlich schon bald dazu führen, dass genetisch veränderte Pflanzen in städtischen Untergrundfarmen angebaut werden, so ihre Prognose. Auf diese Weise soll der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln bei zunehmendem Platzmangel auf der Erde gedeckt werden. So weit, so gut. Aber was hat nun Walmart damit zu tun? Tatsächlich könnte diese Entwicklung dazu führen, dass Walmarts Geschäftsmodell zerstört wird, sagt Webb. Denn der Tech-Riese Amazon hat erst kürzlich Wholefoods gekauft, eine Supermarktkette, die vor allem in Großstädten und dicht besiedelten Regionen zu finden ist. Ein mögliches Zukunftsszenario: Pflanzen aus Indoor-Farmen, die direkt in Amazon Grocery Stores geliefert werden. Der Tech-Riese könnte Lebensmittel günstig vor Ort produzieren und sich das Geld für Import und Transport sparen – sprich: seine Waren günstiger anbieten als Walmart. Und ehe man sich versieht, würde Amazon zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von Walmart.

Solche sich abzeichnenden Trends kann nur erkennen, wer sich intensiv mit parallelen Entwicklungen in unterschiedlichen Branchen auseinandersetzt, mögliche Zukunftsszenarien entwirft und deren Chancen und Risiken beleuchtet – wie Amy Webb.

Die Futuristin ist so etwas wie das Orakel der Tech-Welt. Jedes Jahr veröffentlicht sie ihren Emerging Tech Trends Report, für den sie und ihr Team vom Future Today Institute analysieren, welche Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie das kommende Jahr prägen werden. Auf der SXSW hat Webb erstmals die Prognose für 2019 vorgestellt. Reinlesen lohnt sich – und zwar nicht nur für die Trends in der eigenen Branche.
 
 
 
 
 
VON UNSEREM PARTNER
 
 
 
 
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Morals & Machines – Save the Date
 
In Zeiten technologischer Revolutionen und intelligenter Systeme, die uns immer ähnlicher werden, ist es höchste Zeit, zu hinterfragen, wie Mensch und Maschine zum Nutzen aller koexistieren können. Wie weit kann dieses Zusammenspiel gehen? Welche Regeln müssen wir aufstellen?

Nach dem eindrucksvollen Start von „Morals & Machines“ in 2018, geht unsere Erfolgsgeschichte weiter und führt uns dieses Jahr in die geschichtsträchtige Frauenkirche in Dresden, um ein Zeichen für Gemeinschaft und Werte zu setzen.

Morals & Machines
19. Juni 2019
Frauenkirche, Dresden


Wir diskutieren das wichtigste Thema von morgen mit den inspirierendsten Vordenkern von heute – und freuen uns, wenn ihr die Zukunft der Menschheit aktiv mitgestaltet, u. a. mit VW-Chef Herbert Diess, KI-Professorin Francesca Rossi, Philosoph Peter Albert David Singer und Publizistin Miriam Meckel.

Sichert euch jetzt euer Ticket zum Early-Bird-Preis von 399 Euro.

Weitere Informationen zum diesjährigen Programm und einen Rückblick 2018 gibt es unter www.morals-machines.com.

Wir freuen uns auf euch.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Vom Charme des Schams
 
Auch für das gute Leben lohnt es sich, Schlange zu stehen. Und so sind ein paar tausend Menschen wieder mal im Gänseschritt unterwegs durch die Hallen des Konferenzzentrums in Austin, um die Frau zu sehen und zu hören, die das gute Leben zu ihrer Profession gemacht hat. Brené Brown, Professorin an der Universität von Texas in Houston, hat Jahrzehnte zu Verletzlichkeit, Scham und Empathie geforscht. Sie hat fünf New York Times-Bestseller geschrieben und einen TED-Talk über Verletzlichkeit gehalten („The power of vulnerability“), der mit fast 39 Millionen Zuschauer*innen der am zweitmeisten gesehene TED-Talk aller Zeiten ist.

Zur Eröffnung der SXSW sprach sie über „The only unfollow that broke my heart“. Wie jetzt? Ein gebrochenes Herz, nur weil jemand die Verbindung auf Twitter gelöst hat? Es kommt halt darauf an, wer es ist, der da nicht mehr folgt. In Brené Browns Talk ist sie das selbst. Sie analysiert auf berührende Weise, was es heißt, sich selbst zu verlieren (oder nie gefunden zu haben), nicht mehr zu sagen, was ist, nicht mehr zu den eigenen Überzeugungen zu stehen.

Wer nicht statt Hirn und Herz zwei Steine im Körper herumträgt, versteht: Das ist auch ein politischer Kommentar zum Zustand der Gesellschaft. Polarisierung auf allen Ebenen hat den Willen zur Verständigung ersetzt. Brown plädiert dafür, sich einen neuen Blickwinkel zu eigen zu machen: „People are hard to hate close up – move in.“ Menschen, denen man nahe kommt, lassen sich nicht so leicht hassen. Das heißt durchaus nicht, dass man alles hinnehmen muss, was einem an die Nieren geht. „Nehmt nicht jeden bösartigen Angriff auf Twitter ernst, reibt ihn euch nicht ins Herz, sondern steigt darüber hinweg und lasst ihn einfach liegen.“
 
 
 
 
 
PODCAST
 
 
 
 
 
Die mobilen Bewegungsmelder
 
Bis zu 14 000 Mal am Tag können einige Mobiltelefon-Apps unseren aktuellen Standort an die Herstellerfirmen schicken. Diese Geodaten sind profitabel und verraten, trotz angenommener Anonymität, viel mehr über unsere Identität, als es uns womöglich lieb ist. Über die subtilen Bewegungsmelder und wie wir sie besser kontrollieren können diskutieren Léa Steinacker und Miriam Meckel.


 
 
 
 
 
REPRISE
 
 
 
 
 
DIE ROLLER-REVOLUZZER
 
Und manchmal ist die Zukunft auch nur wenige Monate entfernt. Den Trend aus Austin, den wir am zügigsten auch in Deutschland erleben werden, ist elektrisiert und rollt auf zwei Rädern auf uns zu. Wo im vergangenen Jahr noch Ride-Sharing und Ride-Pooling-Anbieter in Austin die Konferenzbesucher durch die Stadt fuhren, sind 2019 eindeutig die Scooter im Vorteil. Ob Jump, Lime, Bird, Spin oder Lyft: Auf jedem Trottoir stehen die Tretroller der verschiedenen Marken, manchmal liegen sie auch, weil viele Fahrer*innen sie nach Gebrauch einfach hinschmeißen. In den USA ist der Trend nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. In San Francisco warfen entnervte Bürger die Roller einfach ins Meer, weil sie die Fußwege der Straßen blockierten.

Im Frühjahr soll es auch in Deutschland damit losgehen. Die Anbieter versprechen, aus den Fehlern gelernt zu haben. Beim Start in Deutschland werde es ordentlich zugehen. Micro Mobility heißt übrigens die neueste Form der Fortbewegung. Einen deutschen Herausforderer gibt es diesmal erfreulicherweise auch. Er heißt Flash. Dessen Chef Carlos Bhola ist überzeugt: Im Geschäft mit neuer Mobilität erschaffen wir auch aus Deutschland bald ein Einhorn-Startup. Das ist zwar hoch gegriffen, wäre dann aber schon wieder mega.

 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
Miriam Meckel
 
 
Astrid
Maier
 
 
Sven Prange
 
 
Milena Merten
 
 
Léa Steinacker
 
 
 
 
 
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