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Welche Werte brauchen Roboter? Quelle: Giphy
 
 
  Guten Tag,

als im vergangenen Herbst Digitalstaatsministerin Dorothee Bär beim Jahrestreffen der Digitalen Bewegung auf dem Giga-Gipfel in Sölden weilte, sorgte sich die CSU-Politikerin: „Wir müssen schauen, dass die wichtigen Fragen der Digitalisierung nicht immer nur von den gleichen Menschen diskutiert werden – sondern auch von den normalen Bürgerinnen und Bürgern.“ Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hoffte ausdrücklich auf einen eigenen, europäischen Ansatz insbesondere in Wertefragen, die die Künstliche Intelligenz betreffen. Darüber solle breit debattiert werden. Und selbst Anne Mettler, die den entsprechenden Think Tank der EU-Kommission leitet, findet: So wolle man den USA und China doch wohl nicht alleine das Feld überlassen. Seitdem passierte: nichts. Beziehungsweise, dass wissen wir heute: nichts Wahrnehmbares.

Nicht dass die EU-Kommission untätig geblieben wäre: Sie hat, zusammen mit großen Unternehmen, Vorschläge für eine europäische KI-Werteordnung gemacht. Sie hat sie sogar veröffentlicht und um eine Debatte gebeten – am 18. Dezember, sechs Tage vor Weihnachten. Die Ethik steckte sozusagen im 18. Türchen des EU-Adventskalenders. Nur hat die kaum jemand aufgemacht. Bis zum 18. Januar, also bis nächste Woche, sollten wir, das Volk, uns eine Meinung bilden und sie äußern. Vier Wochen, davon zwei Weihnachtsferien, für eine der entscheidendsten Fragen der Zukunft? Europa ist mal wieder unterwegs wie der Weihnachtsmann in der Südsee.

Dabei ist der Ansatz, ein eigenes europäisches KI-Wertegerüst zu ermitteln, so richtig wie wichtig. Auf Grundlage welcher Werte sollen Algorithmen, die schon heute meist in China oder den USA entwickelt werden, ihre Entscheidungen treffen? Wer verhindert, dass Gesichtserkennung systematisch Minderheiten benachteiligt? Wer definiert Grenzen des Social Scorings? Und wollen wir nicht endlich Algorithmen entwickeln, die weniger persönliche Daten fürs Lernen brauchen? All das sind Fragen, die debattiert gehören – aber nicht in der einzigen Zeit des Jahres, in der selbst der größte Aktivist mal das Handy weglegt.

Wenn es ernst gemeint ist, dass Europas Politiker*innen einen eigenen europäischen Weg im Umgang mit KI und ihre Bürger*innen beteiligen wollen, dann muss die Debattenfrist verlängert werden. Bis dahin könntet Ihr Euch schon mal schnell einbringen. Hier entlang.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Die Lehren aus dem G0d-Skandal

„G0d“ ist ein 20-jähriger Amateur, der noch bei seinen Eltern wohnt. Da hat Deutschland noch mal Glück gehabt. Seine Rache für was auch immer hätte noch ganz anders ausfallen können, wäre ein Profi am Start gewesen, um die Daten von Politiker*innen und Prominenten zu leaken. Ja, für was auch immer? Vielleicht geht es gar nicht in erster Linie um die Geschädigten, sondern um den Täter selbst, ein Wiederholungstäter, wie wir nun endlich wissen. Vielleicht ist er ein Anhänger der „15 minutes of fame“, die laut dem amerikanischen Künstler Andy Warhol jedem Menschen zustehen. Häufig sind Hacks, auch das „Doxing“, der Weg, einmal wirklich Aufmerksamkeit zu bekommen. Das hat bei Johannes S. jedenfalls geklappt.

Mit der großen Aufregung und den heftigen Debatten über den Fall ist der 20-Jährige zwischenzeitlich zum Star geworden und wir alle sind Teil eines Geschäftsmodells, in dem öffentliche Beachtung die Währung und die Verletzung der Privatsphäre das Zahlungsmittel sind. Natürlich, man kann über solch einen Fall nicht nicht sprechen. Aber vielleicht sollten wir die Fragestellung ein wenig erweitern. Was immer wir uns einfallen lassen, um unsere privaten Daten zu schützen (und wir sollten uns einiges einfallen lassen), den perfekten Schutz wird es im Digitalen nicht geben. Und so wird das auf Angst basierende Geschäftsmodell öffentlicher Beachtung durch Verletzungen der Privatsphäre anderer weiterhin seine Blüten treiben.
Schützen könnte uns alle nur eines: die gesellschaftliche Verständigung darüber, dass jede und jeder frei ist, im Privaten zu tun und zu lassen, was er oder sie möchte, es sei denn, das schadet anderen. In einer solchen Gesellschaft entfiele manch ein Erpressungspotential. Zugegeben, der gesellschaftliche Trend läuft gerade exakt in die Gegenrichtung. Zwischen Moral und Ideologie passt manchmal kein Blatt mehr.  
In so einem Klima haben es die Erpresser durch Beschämungsangst leicht. Wir machen es Ihnen leicht. Sie sind die Konstrukteure einer Überwachungsgesellschaft, wie der englische Philosoph Jeremy Bentham sie schon im 18. Jahrhundert mit seinem Panoptikum beschrieben hat. Wenn jeder jeden beobachtet, verhalten sich alle ziemlich gleichförmig. Irgendwann haben die Hacker dann nichts mehr zu hacken. Dann ist ja alles gut? Nein, dann ist alles gleichgeschaltet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  ada-Fellow - und die Zukunft gehört dir

Stell dir vor, du benutzt noch immer dein allererstes Smartphone. Es ist mittlerweile altersschwach und langsam, und die neuesten Apps kannst du auch nicht benutzen. Was du auf deinem Smartphone zu vermeiden versuchst, passiert im übertragenen Sinne in Deutschland gar nicht so selten. Und zwar weniger mit dem Smartphone als mit unserer wichtigsten Hardware: unserem Gehirn. In der Schule und im Studium haben wir die wichtigsten Programme darauf installiert. Danach sind wir in den Beruf gestartet. Während wir regelmäßig Updates für unsere Smartphones und andere Geräte installieren oder sie durch neuere Modelle ersetzen, verwenden wir vergleichsweise wenig Zeit darauf, unsere Hirn-Software – unser Wissen und unsere Kompetenzen – zu aktualisieren. Dabei verändert sich die Welt um uns herum rasend schnell. Die digitale Transformation zwingt uns dazu, uns mit Zukunftstechnologien und neuen Arbeitskonzepten zu beschäftigen – und zu überlegen, wie wir sie nutzen können, um die Zukunft zu gestalten.

Deshalb haben wir ein Software-Update für die Köpfe der deutschen Wirtschaft aufgesetzt: das ada-Fellowship mit inspirierenden Live-Events, anwendungsorientierten, interaktiven Workshops und digitalen Vertiefungsmodulen. Der erste Jahrgang startet im April – 400 ada-Fellows begeben sich auf eine einjährige Bildungs- und Entdeckungsreise in die Zukunft. Entsendet werden sie von zwölf  ersten Partnerunternehmen: BMW, Lufthansa, Telekom, Trumpf, McKinsey, Henkel, Lanxess, Kienbaum, Douglas, der Deutschen Börse, Grohe und der Allianz.

Angeleitet vom ada-Team und von erfahrenen Partner*innen aus dem digitalen Bildungssektor – dem Hasso-Plattner-Institut, der Code University oder der Shift School –, durchlaufen die Fellows ein interdisziplinäres, berufsbegleitendes Programm, in dem sie mehr über die wichtigsten Zukunftstechnologien, ihre Anwendungspotenziale und den Transfer auf den digitalen Wandel im eigenen Unternehmen lernen.

Lernen wird bei ada zum Erlebnis. Wir verknüpfen moderne Wissensvermittlung mit digitalen mobilen Tools für den Arbeitseinsatz und wollen damit anders als viele Fortbildungen nicht losgelöst von den eigentlichen täglichen Herausforderungen Inhalte vermitteln, sondern die Learning Journey in den Berufs- und Lebensalltag integrieren. Lernen wird bei ada aber auch zu einem offenen System. Auch wenn das ada-Fellowship exklusiv für die Teilnehmer*innen ist, werden wir hier im Brief aus der Zukunft oder im ada-Magazin immer wieder Einblicke in die Wissens- und Lernwelt unserer Fellows wagen.
 
 
 
 
 
VON UNSEREM PARTNER
 
 
 
 
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  Hinterland of Things Conference 2019

Die Hinterland vereint Startups, Größen des deutschen Mittelstands und digitale Pioniere. Auf zwei Stages mit internationalen Speakern und Experten wird die digitale Zukunft der deutschen Wirtschaft neu geschrieben!

Dort treffen viele prominente Familienunternehmer der Region Ostwestfalen-Lippe wie Markus Miele, Cathrina Claas-Mühlhäuser und Brigitte Mohn, auf bekannte Startupgrößen wie Kai Diekmann, Frank Thelen, Christian Miele, Verena Pausder, oder internationale digitale Querdenker und Politiker wie Dorothee Bär. Und das mitten im Herzen des Mittelstands, in Bielefeld.

Das Motto ist dieses Jahr 'best of both worlds', Hauptthemen werden IoT, Machine Learning und AI sein. Die Startup Nation Israel wird ebenfalls dabei sein und natürlich die erfolgreichen Gründer der Region mit B2B-Fokus.

Weitere Infos zur Konferenz findest Du hier.
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Digitale Messies
 
Die Ordnung der Dinge ist kompliziert. Daher ist es wohl kein Wunder, dass die gleichnamige Abhandlung des französischen Philosophen Michel Foucault 470 Seiten hat. Wenn man fast 500 Seiten braucht, um die Theorie zu beschreiben, wie unübersichtlich wird dann erst die Praxis? Seit vielen Jahren zeichnet sich unverkennbar ab, dass wir auf zwei Ordnungsebenen unterwegs sind: der realen und der virtuellen. Auf der realen Ebene räumen Menschen in den ersten Tagen des Jahres ihre “Lieg-draufchens” und “Steh-rumchens” weg. Im Laufe der ersten Wochen des Jahres verschwinden die Ordnungsvorsätze bald wieder in einer gedanklichen Schublade. Und da beginnt dann die zweite Ebene, die virtuelle Ordnung. Sie zeigt sich nicht nur an der Lebensleichtigkeit eines wohl geordneten Geistes, sondern dringt in alle Tiefen unseres digitalen Lebens. Wer die Dinge in Ordnung halten will, räumt nicht nur analog auf, sondern setzt sich an den Rechner.
  
Dort, so zeigt eine ganze Reihe von Studien, verkommen wir zu digitalen Messies. Tausende gespeicherter, und doch nie gesehener Fotos. Emails mit Beschimpfungen des Kollegen, die man sicher noch mal als Beweis braucht. Dokumente, die sich mit der neuesten Version des PDF-Readers kaum mehr öffnen lassen. Aber löschen? Oh Gott, nein! Der Messie, ob analog oder digital, wird ob der Lückenlosigkeit der Informationskette im eigenen Leben zum Kontrollfreak. Die Folgen des zwanghaften Sammlertums sind jeweils dieselben: Stress. Frage zum Selbsttest: Wie viele Dateien würde ich aktiv und bewusst vermissen, wenn am Computer die Festplatte unwiederbringlich abstürzt? Es wird Menschen geben, die nun antworten: Keine, denn ich habe alle Daten in der Cloud. Vielleicht schreibt von ihnen ja bald mal einer ein unendliches Buch über “Die Ordnung der Wolke”.
 
 
 
 
 
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