Hat China Apple und Amazon infiltriert?
 
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Der größte Spionageskandal seit den Snowden-Enthüllungen?
Quelle: Bloomberg Businessweek
 
 
  Guten Tag,

China ist uns möglicherweise nicht nur weit voraus, was künstliche Intelligenz angeht, sondern auch was die Kunst der Spionage betrifft. Heimlich, still und leise soll das chinesische Militär US-Technologiefirmen und -Behörden infiltriert haben. Und zwar mit winzigen Microchips, so klein wie Reiskörner, die in chinesischen Fertigungsstätten in Server des US-Unternehmens Super Micro eingebaut wurden. Das will Bloomberg Businessweek herausgefunden haben.

Rechenzentren von 30 US-Unternehmen und Regierungsbehörden sollen mithilfe der Mini-Wanzen ausspioniert worden sein – unter anderem die von Apple und Amazon. Ziel des Angriffs: ein dauerhafter Zugang zu Geschäftsgeheimnissen und sensiblen Unternehmens- und Regierungsnetzwerken. Bloomberg Businessweek beruft sich auf insgesamt 17 anonyme Informant*innen aus betroffenen Unternehmen und US-Regierungskreisen.

Der Haken an der Geschichte: Apple, Amazon, Super Micro und die chinesische Regierung dementieren sie vehement. „Apple hat nie schädliche Chips, Hardware-Manipulationen oder Schwachstellen gefunden, die absichtlich in einen Server eingepflanzt wurden“, schreibt Apple in einem Statement.

Hat es den „Big Hack“ nun gegeben oder nicht? Ein Bloomberg-Reporter mutmaßt, die Unternehmen könnten wegen laufender Geheimdienstermittlungen keine Aussagen machen. Sollten die Vorwürfe stimmen, wäre es der größte Spionageskandal seit den Snowden-Enthüllungen – der sehr deutlich zeigt, wie viel Macht China als Tech-Werkstatt der Welt hat. Fast alle Tech-Firmen lassen ihre Produkte in China fertigen. Das Reich der Mitte hat somit mehr Möglichkeiten, Hardware zu manipulieren als alle anderen Länder. Unabhängig davon, ob es den großen Hack nun gab oder nicht: Für Tech-Unternehmen ist es an der Zeit, ihre Sicherheitschecks einmal grundlegend zu überdenken.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
ADAS EINBLICK
 
 
 
 
  Kann Europa KI?

Bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz hängt Europa weit zurück. Die strengen europäischen Datenschutzregeln sind Schuld, klagen manche. Isabelle Falque-Pierrotin sieht das anders. Sie ist die oberste Datenschutzwächterin Frankreichs und eine der Architekt*innen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Im Interview mit ada-Autorin Milena Merten erklärt sie, warum Innovation und Datenschutz sich nicht gegenseitig ausschließen.
 
 
 
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SERENDIPITY
 
 
 
 
 
„Black Mirror" mit Happy End?
 
Wenn man sich das Ende doch aussuchen könnte. Langes Siechtum, umfallen mit Herzinfarkt? Oder etwas Mythenbildendes? Erschossen werden im Einsatz zur Rettung einer Geisel aus der Umklammerung des Geiselnehmers? Im Leben ist diese Entscheidung niemandem vergönnt. Im Livestream schon. Der Streamingdienst Netflix arbeitet derzeit an einer Liste von Sondersendungen, bei denen die Zuschauer*innen das Ende wählen können. Darunter auch eine Episode der legendären Science Fiction Anthologie „Black Mirror”.

 
 
  Netflix ist mutig, denn bislang hat keine interaktive TV-Show besonders große Erfolge erzielt. Aber vielleicht waren die Versuche auch verfrüht. Inzwischen sind die Grenzen zwischen Computerspielen und Fernsehen fließender geworden, und immer mehr Nutzer*innen gewöhnen sich daran, dass sie selbst über Handlungsverläufe bestimmen können. Eine Vorlage für die Multi-Enden-Serien ist die Netflix-Kinderserie „Puss in Books”, bei der die Kids entscheiden können, ob eine Robin Hood ähnliche Katze einen Gott oder einen Baum bekämpft. So einfach kann es am Ende technologischer Zukunftsvisionen, wie in „Black Mirror”, dann wohl nicht werden.  
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Das Dilemma der Erfinder

Warum hat Xerox 1970 in Palo Alto das erste Forschungszentrum für Computer errichtet, um den ersten Personal Computer mit graphischer Nutzeroberfläche und Maus zu erfinden – und baut heute immer noch Kopierer? Warum hat Kodak 1975 die erste Digitalkamera entwickelt – und musste 2012 Insolvenz anmelden? Warum hat Sony 1999 den ersten “Memory Stick Walkman” auf den Markt gebracht – und dann hat Apple nur zwei Jahre später den Markt der mobilen Musikspieler mit dem iPod aufgerollt?

Clayton Christensen, Disruptions-Papst der Digitalzeit hat darauf mit seinem „Innovator’s Dilemma” eine vermeintlich allgemeingültige Antwort gegeben: Die neuen Technologien sind erst fehlerhaft und wenig attraktiv für Kund*innen, aber ein paar, dann immer mehr, begeistern sich dafür. Und plötzlich schwenkt die Mehrheit auf das Neue um, und die Unternehmen, die bislang den Markt gerockt haben, müssen den Dirigentenstab an andere abgeben. Klingt gut, aber stimmt das auch? Warum sehen die Marktführer nicht kommen, was da passiert? Weil sie blind oder blöd sind? Es gibt noch eine andere spannende Erklärung.

Unsere Frage der Woche lautet: Warum schaffen Marktführer es oft nicht, mit großen technischen Entwicklungen Schritt zu halten? Wir freuen uns über Ideen per Mail. Die Antwort gibt es hier nächste Woche…

Wagt es, weise zu werden…
 
 
 
 
 
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Ada Lovelace Festival
 
„Tech hat mein Leben verändert.“ Nicht viele meinen das in einem so wortwörtlichen Sinne wie Kathrin Lemler. Ohne ihren Sprachcomputer Tobii, den Kathrin über ihre Augenbewegungen steuert, wäre sie stumm. In unserem Interview berichtet Kathrin, die auch Sprecherin bei unserem Ada Lovelace Festival ist, außerdem über ihre ersten Tests mit einem Brain Computer Interface, welches ihre Gedanken direkt in Sprache umsetzen würde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Raus aus dem Kaninchenbau!
 
Es ist 13:18 Uhr, und schon sind allein auf meinem iPhone 2 h und 19 min Bildschirmzeit aufgelaufen. Zum ersten Mal habe ich geschaut, wie das neue Feature in Apples Betriebssystem iOS12 funktioniert. Ein kleines Erweckungserlebnis. Von den mehr als zwei Stunden Bildschirmzeit entfallen 1:18 h auf Produktivität (was ist das, E-Mails schreiben?), 28 Minuten auf Lesen und Nachschlagen (formerly known as „Surfen”) und 9 min auf soziale Netzwerke. Ich könnte jetzt einstellen, was ich mir ab sofort im Umgang mit den verschiedenen Apps erlauben möchte, kann Auszeiten einstellen, Zeitlimits für einzelne Apps festlegen, um das Ganze dann noch durch einen Bildschirmzeit-Code zu sichern. Aber auch, „um mehr Zeit zu erlauben, wenn ein Limit abläuft.” Motto: Programmiere die Regel und die Ausnahme dazu gleich mit.

Tim Wu, Professor an der Columbia University in New York und Autor von „The Attention Merchants” (Die Aufmerksamkeitshändler) nennt diese Wahlmöglichkeiten „oberflächlich”. Das Design heutiger Endgeräte, wie Smartphones, „macht aus uns obsessive Zwangsneurotiker, indem alle Angebote in Schleifen immer weiter und nie zu Ende gehen.” Er fordert eine neue Designethik, die in Betracht zieht, wie unser Gehirn funktioniert, wie wir uns selbst betrügen und uns immer tiefer in den Kaninchenbau der Prokrastination eingraben. „Für die Zukunft der Menschheit gibt es kaum etwas Wichtigeres als eine Ethik des Designs”, so Wu. Das Leben ist doch mehr als ein endloser Scroll oder eine fortwährende Wischbewegung.
 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
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