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Die ada-Reisegruppe bei der Vermessung der Zukunft.  Quelle: Grainne Quinlann
 
 
  Guten Tag,

wer gestern verstehen wollte, wohin sich die digitalisierte Welt bewegt, der fuhr ins Silicon Valley. Wer heute begreifen will, welches Potenzial das Zeitalter von künstlicher Intelligenz, Big Data und Plattformökonomie für morgen birgt, der sollte sich lieber ein Ticket nach Peking oder Shanghai buchen – und zwar sofort.

Genau das haben wir bei ada getan und bereisen in diesen Tagen mit einer Wirtschaftsdelegation unseres Mutterblattes WirtschaftsWoche Peking und Shanghai. Und auf jeder Station blicken wir dem Morgen aufs Neue ins Gesicht. Oft bedeutet das hier in China: wir schauen direkt in eine Kamera.

So wie bei Megvii, einem Pekinger Startup, das zu den führenden Unternehmen des Landes gehört, die Gesichtserkennungs-Software auf Basis von künstlicher Intelligenz herstellen. Das ist einer der Boom-Märkte hier. Die Megvii-Angestellten brauchen keinen Mitarbeiterausweis mehr. Wer einmal in der Datenbank ist, den erkennt das System sofort – und lässt sie oder ihn rein. Die Software ist in der Pekinger U-Bahn im Einsatz, wo sie an einigen Stationen die Fahrkartenkontrolle übernimmt. Auch die 520 Millionen Nutzer des mobilen Bezahlsystem Alipay werden von dem Megvii-Algorithmus gescannt, wenn sie per Gesichtserkennung einen Kauf auslösen. Megvii-Systeme werden bereits in kleinen Läden eingesetzt, die in China immer öfter ganz ohne Personal auskommen – Kameras und Algorithmen übernehmen den Check-out.    
    
300 000 Entwickler aus 150 Ländern programmieren schon Applikationen auf der Megvii-Plattform: Megvii gilt damit als größte Gesichtserkennungsplattform der Welt. Und wird von seinen Geldgebern auf einen Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch wir haben die Fertigkeiten des Megvii-Algorithmus im Show Room in Peking getestet. Und haben prompt das System an seine Grenzen gebracht: Es konnte bei keinem von uns Alter oder Geschlecht identifizieren wie eigentlich vorgesehen.

Vielleicht hatte der Algorithmus einfach nur einen schlechten Tag, vielleicht musste er auch nur zu viele Europäer auf einmal scannen – die Software ist darauf trainiert, asiatische Gesichter zu erkennen. Damit hatten wir mehr Glück als die Kriminellen im Land. Megvii-Technologie wird bereits von den Polizeibehörden in 34 Provinzen in China eingesetzt, um Verbrecher ausfindig zu machen. Auch das ist ein Gesicht des technologischen Fortschritts hier: Kein Staat der Welt setzt ihn so ein, um seine eigenen Bürger zu überwachen.

Uns zeigt sich in China: Technologie ist immer so gut wie jene, die sie einsetzten. In Deutschland haben wir es uns gemütlich eingerichtet, in dem wir diese Art Fortschritt von vornherein einfach mal ablehnen. In China wird dagegen gemacht - und weltweit Standards gesetzt. In die sind unsere eigenen Wertesysteme nicht einprogrammiert. Wir schauen dem Fortschritt in die Kamera und werden nicht erkannt. Aber rein in die Zukunft kommen wir so auch nicht mehr. Und jetzt?


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!

Eure Miriam
 
 
 
 
 
ADAS EINBLICK
 
 
 
 
  Die Große Koalition und ihre Suche nach der Zukunft

Immerhin findet ja mittlerweile auch die deutsche Bundesregierung, dass KI, irgendwie, wichtig ist. Deswegen macht man sich jetzt mal Gedanken, die im November in eine nationale Strategie münden sollen. Das gute daran: Von vorneherein sind neben Politiker*innen auch Forscher*innen und Unternehmer*innen an der Ideensuche beteiligt. Das schlechte daran: Wir haben 2018 und suchen immer noch Ideen. Warum das Ganze dennoch nicht hoffnungslos ist, erklärt der Mann, bei dem alle Fäden in der Frage zusammenlaufen, im ada-Gespräch mit Sven Prange: Kanzleramtschef Helge Braun.
 
 
 
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SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Die Entdeckung der Zukunft

Innovationen lassen sich nicht planen, im Gegenteil. Bei vielen revolutionären Erfindungen spielte der glückliche Zufall eine Rolle. Durch ihn lässt sich finden, wonach man gar nicht gesucht hat. Davon handelt ja auch unsere Rubrik “Serendipity”, die es schon eine ganze Weile länger gibt als unseren “Brief aus der Zukunft”.  
Für alle diejenigen, die einige der früheren Geschichten über die Entdeckungen durch glücklichen Zufall noch einmal nachlesen mögen, gibt es nun die Möglichkeit dazu. Das Büchlein “Serendipity - Wer nicht suchet, der findet” von Miriam Meckel und Daniel Rettig erzählt die Geschichte hinter 77 zufälligen Entdeckungen und erscheint jetzt im Verlag Kein & Aber.
 
 
 
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Arbeit der Zukunft - in Unternehmen der Gegenwart

Wie integriere ich ein Scrum-Board in den Arbeitsalltag? Was heißt eigentlich agiles Unternehmen ganz konkret? Und wie führe ich, wenn niemand einen Big Boss, alle aber verbindliche Ansagen fordern? Die (digitale) Zukunft der Arbeit wirft zig Fragen auf, an denen viele Start-ups sich schon die Köpfe heiß diskutieren. Noch intensiver fallen diese Diskussionen aber in Unternehmen mit alt eingesessenen Strukturen aus. Etwa in Banken.

Bei der GLS Bank hat sich Neu-Vorständin Aysel Osmanoglu vorgenommen, in die 40 Jahre alte Bank zukunftsfähige Arbeitsstrukturen zu tragen. Wie sie das genau macht, und warum deswegen alle aus ihrer Komfortzone müssen, hat sie den Kollegen nebenan bei der Wirtschaftswoche erklärt. Die haben dann gleich noch ein Glossar der digitalen Arbeitswelt gestellt. Hier entlang.
 
 
 
 
 
VON UNSEREM PARTNER
 
 
 
 
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Ada Lovelace Festival
 
Ada ist nicht nur Namensgeberin für unser Magazin, unseren Newsletter und unseren Podcast, sondern auch für unser Ada Lovelace Festival, das wir am 11. und 12. Oktober in Berlin ausrichten. Unter dem Motto "Ideas to change the world" bringen wir Frauen aus der IT- und Tech-Branche zusammen und zelebrieren Vielfalt und Ideenreichtum. Sei dabei und erlebe unter anderem Clare Jones. Ihr Startup whats3words kartographiert die Welt in drei Worten, statt in GPS-Koordinaten.

Alle weiteren Informationen bekommst Du hier.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Schutzkleid der Schüchternen
 
Die Welt ist ein lärmender Moloch. Man muss nicht an Misophonie, also einer verminderten Geräuschtoleranz leiden, um das gelegentlich so zu empfinden. Wer sich konzentrieren oder auch einfach innere Ruhe finden will, greift zu Kopfhörern. Wenn es dann aussieht, als hätte man einen Teil des heimischen Ohrensessels mit auf Reisen genommen, sind es die mit “noise reduction”. Sie spielen nicht nur schöne Musik, sondern filtern auch die Alltagsgeräusche raus. Die Stewardess erklärt die Sicherheitsregeln wie ein atmender Fisch. Man muss Lippen lesen können, um zu verstehen, was sie sagt.
  
Manchmal geht es aber gar nicht um die Geräusche, sondern um mehr. Apple hat im zweiten Quartal 2018 einen kräftigen Sprung beim Verkauf der “AirPods” gemacht. Das sind die kleinen weißen Kopfhörer ohne Schnur. Die Ohrenkrücken schützen nicht vor Lärm, sondern vor Sozialkontakt. Stecken sie im Gehörgang, geht ein deutliches Signal an die Umwelt: Sprecht mich bloß nicht an. Die kleinen Ohrstöpsel ziehen eine virtuelle Hülle der Unsichtbarkeit um ihre Träger - ein Schutzkleid der Schüchternen. Aber auch die zur Schau getragene Vorabentschuldigung aller Menschenfeinde.
 
 
 
 
 
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