Warum Wahrheit nicht relativ ist.
 
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  Guten Tag,

vor der Gefahr, mit Fake Videos die Bevölkerung zu spalten, sie zu manipulieren und die Wirklichkeit eine ganz andere werden zu lassen, haben wir erst vergangene Woche in unserem Newsletter gewarnt. Es gibt auch den umgekehrten Fall: Verunsicherung erzeugen, indem man die Echtheit eines Videos öffentlich bezweifelt.

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen
lässt über die "Bild-Zeitung" erklären, bei dem im Internet kursierenden Video, das Jagdszenen auf ausländische Menschen zeigen soll, lägen "keine Belege dafür vor", dass das "kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist." Maaßen weiter: Es sprächen "nach meiner vorsichtigen Bewertung gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken".

Hat Maaßen Recht, wäre das ein ungeheuerlicher Vorfall. Nur: Warum entlarvt der oberste Schützer der Verfassung nicht gleich die Täter mit? Sind es die Antifa Zeckenbiss, wer auch immer dahinter steckt, der russische Cozy Bear oder die Totalitären aus Nordkorea, die sich hier aufgemacht haben, die Deutschen und ihre Wahrnehmung von der Wirklichkeit zu manipulieren? Was ist an dem Video falsch? Hat es an einem anderen Tag stattgefunden? Weiß Maaßen es selbst nicht? Wann reicht er die Beweise nach? Oder hat Maaßen nicht die nötige Technologie oder das Wissen, um das Video zu orten und zu analysieren? In dem besagten Fall dürfte die Überprüfung für einen Verfassungsschützer nicht besonders schwierig sein. Maaßens "persönliche vorsichtige Bewertung" reicht jedenfalls nicht. Man möchte die Fakten kennen. Seine Behörde ließ später mitteilen, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden hält das Video für echt.

So eine Behauptung ohne Aufklärung auf die Welt loszulassen, bedeutet nur: Maaßen macht Angst mit der Angst. Das steht einem Verfassungsschutzpräsidenten nicht zu. Er sollte gehen. Und wir sollten uns nicht an die offenbar neue Normalität des umfassenden Misstrauens gewöhnen: Nach der ist alles Fälschung – bis zum Beweis des Gegenteils.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
ADAS EINBLICK
 
 
 
 
  Misstrauen dominierte lange Zeit auch die Musikbranche, aber ein Misstrauen der anderen Art: Es ging um die Frage, wie ein Leben nach der Nahtoderfahrung aussehen könnte. Keine Industrie hat sich durch den Einfluss neuer Technologien so verwandelt wie sie. Einst von wenigen mächtigen Labels regiert, kam erst Napster, dann der Abgrund - und schließlich die Wiederauferstehung dank legaler Streaming-Dienste wie Spotify.

Was das mit den Musikern selbst macht, darüber sprach Léa Steinacker mit ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus und dem Universal-Manager Frank Briegmann. Ulvaeus kennt noch eine Musikwelt, bevor sie sich in Daten erfassen und dem Geschmack des Publikums anpassen ließ. Er sagt: "Wir wussten überhaupt nicht, was die Menschen von unserer Musik halten würden. Wir schrieben unsere Lieder einfach nach unserem Geschmack." Hat funktioniert.
 
 
 
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SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Das Grinsekatzenphänomen

Narziss war selbstverliebt. Und zu doof zu begreifen, dass der ewige Blick in den Spiegel tödlich sein kann. Er starb schmachtend im Angesicht seines Antlitzes. Menschliche Selbstverliebtheit kann auch ungewollt den Blick ins Innerste eröffnen. Forscher an der Universität Melbourne, Australien, haben einen biometrischen Spiegel entwickelt, der den Charakter einer Person mit Hilfe von Gesichtserkennungsalgorithmen analysiert.

Der Spiegel gibt nicht nur Auskunft über Alter, Geschlecht und ein mehr oder minder passables Aussehen. Er entscheidet auch, wie verrückt und emotional stabil eine Person ist. Ein Blick in den Spiegel wird dann schnell zum Angriff auf unsere persönliche Integrität und unser Selbstbewusstsein (“weirdness: high, emotional stability: low, attractiveness: average”).

Gefragt, wie man dem unheimlichen Spiegel denn nun am besten begegnen solle, antwortet der Projektleiter: “Lächeln hilft.” Auf dem Weg in die Welt hinter den Spiegeln werden wir also wohl künftig alle wie die Grinsekatze aus “Alice im Wunderland” durch die Gegend laufen. „Wollen Sie mir gütigst sagen,“ fragte Alice etwas furchtsam, denn sie wußte nicht recht, ob es sich für sie schicke zuerst zu sprechen, „warum Ihre Katze so grinst?“
„Es ist eine Grinse-Katze,“ sagte die Herzogin, „darum! […]“
 
 
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BURN TO LEARN
 
 
 
 
 
Kinder an die KI-Macht
 
Hanson Robotics aus Hongkong ist berühmt als Werkstatt für humanoide Roboter, allen voran Sophia. Sie sprach schon vor der UNO und setzte sich für Frauenrechte ein. Die Macher von Hanson Robotics, allen voran Chief Scientist Ben Goertzel, haben auch die Plattform SingularityNET ins Leben gerufen. Die partnert jetzt mit der UNESCO, um Kindern Technologien von morgen näher zu bringen, schreibt das Portal Inverse.

Entwickelt werden Lehrpläne, die von der Vorschule bis zur 12. Klasse reichen, damit Kinder für die nächste Revolution, in Deutschland auch als "Industrie 4.0" bekannt, fit werden. Wo kann man Kinder in Deutschland anmelden? Wahrscheinlich nirgendwo. Das Programm richtet sich vor allem an Entwicklungsländer. Da hilft wohl auch nicht, dass Deutschland Digitalentwicklungsland ist.
 
 
 
Sonic Robots
 
Menschen bilden aber auch Maschinen aus. Versuche etwa, Robotern das Musizieren beizubringen, gibt es schon viele. Aber kaum jemand geht das Ganze so philosophisch an wie der Künstler Moritz Simon Geist. Er will nicht nur, dass die Musik gut klingt. Zuhörer*innen sollen sich darin wie in einem guten LSD-Trip bewegen können. Hat garantiert weniger Nebenwirkungen. Und schön klingt's auch - vielleicht selbst für Abba-Fans.
 
 
 
 

 
 
 
 
 
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Ada Lovelace Festival
 
Ada ist nicht nur Namensgeberin für unser Magazin, unseren Newsletter und unseren Podcast, sondern auch für unser Ada Lovelace Festival, das wir am 11. und 12. Oktober in Berlin ausrichten. Unter dem Motto "Ideas to change the world" bringen wir Frauen aus der IT- und Tech-Branche zusammen und zelebrieren Vielfalt und Ideenreichtum. Sei dabei und erlebe unter anderem Clare Jones. Ihr Startup whats3words kartographiert die Welt in drei Worten, statt in GPS-Koordinaten.

Alle weiteren Informationen bekommst Du hier.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Kann man zu glücklich sein?
 
“Irgendein Mensch hat einmal gesagt ‘weniger ist mehr’. Das ist ganz schön, aber eigentlich Quatsch, denn: mehr ist mehr.” Sagt Georgette Dee zu Beginn ihrer “Greatest Hits” (2000). Gilt das eigentlich auch für das Glück? Ist Glück eine nach oben offene Richterskala, auf der sich das frohe Erzittern des Lebens abzeichnet, das die unvergesslichen Momente der Erfahrung schafft?

Darauf geben die Neurowissenschaften eine interessante Antwort. So gelingt es medizinisch, per Hirnstimulation direkt auf den Nucleus Accumbens, das Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn, zuzugreifen. Stimuliert man das Zentrum, lässt sich euphorisches Empfinden, kurz: das Glücksgefühl, rauf- und runterregeln. Wenn das aber möglich ist, gibt es dann eine Glücksgrenze, die man bei kranken oder auch gesunden Menschen einhalten sollte?


Die Frage ergab sich auch aus der Behandlung eines 33jährigen Deutschen mit schweren Angst- und Zwangsstörungen. Bei der Einstellung der Stimulation probierten die Ärzte Stromstärken zwischen einem und fünf Volt aus und einigten sich schließlich mit dem Patienten, dass bei drei Volt eine gute Balance aus Glücksgefühl und einem normalen Ausmaß von Angstgefühlen gesichert sei. 24 Stunden später verlangte der Mann, man möge doch bitte auf fünf Volt raufgehen. Er brauche in den kommenden Wochen etwas mehr Glücksgefühl.
Die Ärzte weigerten sich. Auch weil das Beispiel einer amerikanischen Patientin gezeigt hat: Wer sein Glücksgefühl per Stromzufuhr hoch- und runterfahren kann, hängt irgendwann am elektrischen Glücksgefühl wie an der Nadel und wird lebensunfähig. Niemand stirbt an einem Goldenen Schuss Glück. Aber Glück lässt sich durchaus überdosieren. Mehr ist nicht mehr, sondern bald nichts mehr.
 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
Miriam Meckel
 
 
Astrid
Maier
 
 
Sven Prange
 
 
Milena Merten
 
 
Léa Steinacker
 
 
 
 
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