Das Geheimnis unverkannter Genies
 
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Einfach mal glücklich sein, Ada Lovelace. Quelle: Giphy
 
 
  Guten Tag,

Vor wenigen Tagen feierte die Digital-Welt den #AdaLovelaceDay18 – und wir natürlich mit ihr. Ada Lovelace, die britische Adlige, die schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts das erste Computerprogramm erfand und als erste Programmiererin der Welt gilt, hat auch uns bei der Namensgebung für unsere ada-Community inspiriert. Es gibt schließlich niemanden, der unser Motto, „Heute das Morgen verstehen“ besser verkörpern könnte als die Countess of Lovelace. Die Mathematikerin schrieb ihren Code fast einhundert Jahre vor den modernen Pionieren der Programmierzunft. Doch ihre Zeitgenossen verkannten ihr Genie.

Wir wollen die Zeichen der Zeit dagegen frühzeitig erkennen, sie verstehen und einordnen können, um daraus jene Handlungen abzuleiten, die es uns ermöglichen werden, in einer guten Zukunft zu leben. Deshalb schreiben wir jeden Sonntag diesen Brief aus der Zukunft an Dich. Deshalb veranstalten wir Events wie das gerade zu Ende gegangene Ada Lovelace Festival in Berlin. Deshalb produzieren wir Podcasts, damit Du die Zukunft auch auf die Ohren bekommst. Und das mit dem Begreifen nehmen wir ziemlich wörtlich: Wir haben am Freitag nun unser erstes gedrucktes Magazin auf die Welt gebracht – weil Verstehen eben auch eine ganz haptische Angelegenheit sein kann.

Auf Recherchen für ada, die Print-Ausgabe, ist unser Reporter*innenteam aus Sven Prange, Astrid Maier und Milena Merten dabei auf ein neues Phänomen gestoßen, aus dem wir eine Titelgeschichte gemacht haben: Über den „Neo-Dataismus“ oder wie Gründer*innen und Unternehmer*innen versuchen, im Zeitalter der künstlichen Intelligenz Europa auf eine ganz eigene Spur zu hieven – eine, die uns im Wettlauf mit China und den USA ausnahmsweise mal gewinnen lassen könnte.

Astrid Maier hat sich umgesehen, ob sich der Industrie-Koloss VW tatsächlich in ein Tech-Unternehmen verwandeln könnte, wie es CEO Herbert Diess gerne hätte. Ihr Fazit: „Der Dinosaurier lernt laufen. Kein Witz.“

Und Bestseller-Autor Tom Hillenbrand hat eine wunderbare wie fiktionale Kurzgeschichte für ada geschrieben. Das ganze Magazin und viel mehr Geschichten, Interviews und Essays gibt es natürlich auch digital, für alle, die dem Haptischen schon entflohen sind.

Ada Lovelace war übrigens die Tochter des berühmten Dichters Lord Byron. Von seinen drei Kindern war sie das einzige eheliche. Die Neugier auf alles Mathematische gab ihr die Mutter mit auf den Weg. Ihren Vater hat Ada Lovelace nach ihrem ersten Lebensmonat nie wieder gesehen.


Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Menschlich minimalistisch

Wie unterscheide ich einen Computer von einem Menschen? Diese Frage hat den Computerwissenschaftler Alan Turing 1950 den nach ihm benannten “Turing-Test” erfinden lassen. Dabei stellt ein Mensch Fragen an zwei Gegenüber, die er nicht sehen oder hören kann: einen Menschen und eine Maschine. Wenn nach einer Reihe von Antworten nicht klar ist, wer wer ist, hat die Maschine den Test bestanden.

Forscher am MIT haben nun einen minimalistischen Turing-Test entwickelt, bei dem ein Wort genügt, um den Unterschied zwischen Mensch und Maschine festzustellen. Sie fragen: “Wenn du ein Wort wählen könntest, um dein Gegenüber zu überzeugen, dass du ein Mensch und keine Maschine bist, welches Wort wäre das?”
Heraus kommt eine kurze Liste von Wörtern, mit denen Computer vermutlich Schwierigkeiten haben - angeführt von “Liebe”. In der zweiten Testrunde sollten 2000 Probanden wählen, welches der Worte auf der Liste am meisten “Menschlichkeit” signalisiert. Das Ergebnis ist ein wenig desillusionierend. Der größte Unterschied zwischen Mensch und Maschine liegt darin, was hinten rauskommt. “Poop” ist der Sieger, der den Turing-Test auf ein Wort reduziert. Und den Menschen auf eine sehr profane Kernkompetenz. Emoji Scheisshaufen
 
 
 
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
  Innovation ist ein scheues Reh. Es grast manchmal vor unseren Augen, und dann machen wir so viel Lärm um alles, was das Reh angeblich braucht, dass es im ganzen Wirbel wieder im Unterholz verschwunden ist. Warum schaffen gerade Marktführer es oft nicht, mit großen technischen Entwicklungen Schritt zu halten? So lautete unsere Burn-to-learn-Frage vor einer Woche. Clayton Christensen, Cheferklärer der “Disruption”, meint, neue Technologien lockten die Platzhirsche ins “Innovator’s Dilemma”. Das ist sicher ein Teil der Erklärung, aber nicht die ganze Geschichte.

Aus der ada-Community haben wir dazu weitere gute Erklärungen gesammelt. “Marktführer werden nach einer anhaltenden Erfolgszeit phlegmatisch und ängstlich. Die konservativen Kräfte im Management setzten sich durch und verhindern bahnbrechende Neuerungen aus Angst, den bisherigen Erfolg zu torpedieren”, schrieb uns Wolfgang. Nick meint: “Eine volatile, unsichere, komplexe und mehrdeutige VUCA-Welt (Volatile, Uncertain, Complex and Ambiguous) mit hohem Transformationsdruck lässt traditionelle Marktführer ins Bewahren flüchten. Wer den Wettbewerb lange anführt, sehnt sich nach Kontrolle über den Erfolg. Die Angst, Erreichtes zu verlieren, wirkt dann realer und größer als die Chance, Zukunft zu gewinnen.”

Das sind kluge Ideen, die auch zum Ansatz passen, an dem die Harvard-Ökonomen Rebecca Henderson und Kim Clark schon 1990 geforscht haben: die “architektonische Innovation”. Neue Technologien verlangen, dass Organisationen sich vollständig anders aufstellen. Daran scheitern sie leider meistens. Wer lange in einem Schloss gewohnt hat, mag das nicht zerstören, um ein flexibles Zeltdorf daraus zu machen. Und doch ist das der einzige Weg, wenn man auch zukünftig ein Dach über dem Kopf haben will. Nicht die veralteten Produkte sind das Problem, sondern die alten Strukturen, die dem frischen Wind der Zukunft die Luft abdrehen. Einmal durchatmen also und sich dann trauen, das Unternehmen vom Grundriss her neu zu denken.
 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Algorithmische Rechenschaftspflicht
 
Es gibt einen guten Grundsatz, der erfolgreiche Beziehungen ausmacht - im Beruf, in der Freundschaft und in der Liebe. Wo immer Konflikte entstehen, Entscheidungen gefällt werden, die andere betreffen und womöglich benachteiligen, bedarf es einer nachvollziehbaren Erklärung, warum diese Entscheidung so gefallen ist. Dieses Prinzip der Rechenschaftspflicht (neudeutsch: accountability) prägt unser soziales Leben.

Bei der Künstlichen Intelligenz tut sich für diese Rechenschaftspflicht ein wachsender Graben auf. Algorithmen analysieren, berechnen und entscheiden, ohne sich erklären zu müssen. Sie könnten das auch gar nicht. So schnell und effizient sie darin sind, Nullen und Einsen logisch zu prozessieren, so unfähig sind sie, uns mitzuteilen, was sie da tun. Für ein gutes Zusammenwirken von menschlicher und künstlicher Intelligenz muss sich das ändern.

Einen ersten Ansatz dazu hat überraschenderweise die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) geliefert. So viel man an ihrer Umsetzung kritisieren kann: Sie folgt dem Gedanken, dass algorithmische Entscheidungen nachvollziehbar sein müssen. Wenn ein Algorithmus also Bewerber*innen für einen Job bewertet, müssen die erfahren dürfen, aufgrund welcher Kriterien der Algorithmus sie aussortiert hat. Das ist nur der Anfang. Die KI-Forschung sollte Ideen entwickeln, wie Algorithmen den Menschen erklären können, was sie tun. Wenn nur einer den anderen versteht, entsteht keine Beziehung, sondern Abhängigkeit.
 
 
 
 
 
ADA PODCAST – STAFFEL ZWEI
 
 
 
 
 
Von China bis Brotopia
 
Ein Magazin alleine reicht uns für den Oktober nicht. Wir haben auch die zweite Staffel unseres Podcasts gestartet. Jeden Freitag geht es nun wieder um Fragen, an denen sich unsere Zukunft entscheiden wird wie etwa China als neue Technologiemacht, Blockchain oder Sexismus in der Digital-Branche. Am besten gleich reinhören.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
Miriam Meckel
 
 
Astrid
Maier
 
 
Sven Prange
 
 
Milena Merten
 
 
Léa Steinacker
 
 
 
 
 
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