Wer vorne viel Geld reinsteckt, bekommt hinten ein Monopol raus?
 
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Quelle: Giphy
 
 
  Guten Tag,

im Plattformkapitalismus galt bisher: Wer vorne viel Geld reinsteckt, bekommt hinten ein Monopol raus. Das hat bei Facebook schon gut funktioniert (kennt jemand noch StudiVZ?). Doch je komplexer Technologie wird, desto mehr geraten die Plattform-Wirkkräfte aus der Balance.

Das zeigt sich in diesen Tagen auffällig beim Thema autonomes Fahren. Blitzscaling - so sagt man dazu im Silicon Valley - will da einfach nicht richtig klappen. Rund 60 Unternehmen weltweit investieren jährlich gemeinsam eine Summe im einstelligen Milliardenbereich in die Technologie. Die wenigsten davon bauen eigene Autos, sondern setzen auf intelligente Systeme aus Software und Sensoren, die sich zu Plattformen für die daran angeschlossenen autonom fahrenden Autos entwickeln sollen. Ein Monopolist aber ist noch nirgends in Sicht. Vielmehr noch: Der Durchbruch zum sicher autonom fahrenden Vehikel lässt länger auf sich warten als viele gedacht haben. Dies führt dazu, dass wieder und noch mehr Geld gebraucht wird. Nuro, ein Roboterautolieferdienst, hat gerade 940 Millionen US-Dollar bei Investoren eingesammelt. Auch das Start-up Aurora Innovations aus Palo Alto erhielt 530 Millionen US-Dollar und kommt auf eine Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar. Amazon heißt hier einer der Geldgeber. Auroras Strategie? Die Plattform fürs vernetzte Fahren zu werden.

Wer mehr über den (Noch-)Volkswagen-Partner Aurora wissen will, kann im neuen ada-Magazin nachschauen. Wir haben Unternehmenschef Chris Urmson getroffen, er hat uns bei "Cream Puffs" von seiner Plattform-Vision 2.0 erzählt. Als Veteran der Szene und Gewinner einer der legendären DARPA-Challenges könnte Urmson das Zeug zum Gewinner haben. Muss aber nicht. Denn gerade hat die kalifornische Verkehrsbehörde DMV neue Zahlen veröffentlicht. Demnach ist Alphabet-Tochter Waymo das Unternehmen, dessen Autos am weitesten ohne menschliches Eingreifen kommen. Hier muss im Schnitt nur alle 11.018 Meilen (17.731 Kilometer) Hand angelegt werden. Aurora kommt nur  82 Meilen weit, bevor ein Mensch eingreifen muss. Am schlechtesten hat Uber abgeschnitten (0,35 Meilen). Dabei gilt Uber als eines der am besten finanzierten Jungunternehmen weltweit.
It's the Industrie 4.0, stupid.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt: Wir freuen uns auf Feedback!


Eure Miriam
 
 
 
 
 
SERENDIPITY
 
 
 
 
 
Eine allgemein anerkannte Wahrheit

“Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.” Dieser Satz aus dem “Tractatus logico-philosophicus” von Ludwig Wittgenstein beschreibt, wie Sprache und Denken zusammenhängen. Im Silicon Valley wird gerade überlegt, diesen Satz anzupassen. “Wovon man reden kann, darüber muss man schweigen”, so müsste er wohl lauten. Denn die gemeinnützige Organisation Open AI, unterstützt durch Multitalent Elon Musk, hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die so gut sprechen kann, dass ihre Erfinder*innen Angst bekommen haben. Sie wollen - anders als sonst üblich - ihre Grundlagenforschung nicht öffentlich machen. Sie könnte für die falschen Zwecke benutzt werden.

Die KI “GPT2” ist ein Textgenerator, dem man einen Satz zufüttern kann, und dann macht er daraus einen ganzen Text. Wo bisherige Systeme zuweilen schaurige Ergebnisse liefern, ist GPT2 beeindruckend sprachgewandt. Einen Halbsatz zum Brexit entwickelt die Software zu einem eleganten Text über die wirtschaftlichen Folgen für unterschiedliche Industrien und die britische Forschungslandschaft. Das mit zehn Millionen Texten trainierte System kann nicht nur übersetzen und zusammenfassen, sondern auch unterschiedliche Sprachstile umsetzen - zum Beispiel literarische Texte.


Quelle: Guardian

“It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife”, so beginnt Jane Austens Roman “Pride and Predjudice” (1813). GTP2 entwickelt daraus eine Ableitung über die Vorbildfunktion von Führungspersönlichkeiten. Ist die Software also kreativ? Irgendwie schon. Aber weiß sie, was sie tut? Um das herauszufinden, sollte man ihr den ersten Satz aus dem zweiten Buch der “Hunger Games” von Suzanne Collins vorgeben: “Because sometimes things happen to people and they’re not equipped to deal with them.” Wenn GTP2 daraufhin schweigt, wissen wir, was los ist.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
BURN TO LEARN
 
 
 
 
 
Humankapital im KI-Zeitalter

Würde eine Recruiting-KI einen Bewerber im Vertrieb einstellen, der ein Talent für Improvisationstheater hat? Wahrscheinlich nicht. Denn die Begabung des Mannes hat ja keinen Bezug zu den konkreten Anforderungen im Vertrieb. Eine weitsichtige Personalchefin dagegen würde bei dem Bewerber zugreifen. Denn wer im Kampf um Talente die zukunftsfähigsten Mitarbeiter*innen haben will, braucht gerade in disruptiven Zeiten solche mit dem gewissen Quäntchen Kreativität. Kluge Unternehmer*innen wissen deshalb, dass die HR-Abteilung längst Teil der Strategie-Abteilung ist. Und weil das so ist, sollten sie die Personalwahl nicht einer künstlichen Intelligenz überlassen - zumindest noch nicht.

Zu dieser Einsicht sind zumindest Forscher*innen der Stanford- und der Washington Universität gelangt. Sie haben für eine Studie mit Personalern, KI- und Machine Learning-Experten gesprochen und kommen zu dem Schluss: "Dinge, die programmiert oder automatisiert werden können - mit anderen Worten, was Maschinen bei der Personalauswahl heute tun - sind keine strategischen Aspekte der Personalführung". Um das richtige Personal einzustellen, brauche man vielmehr eine umfassende Sicht auf das Unternehmen in seiner Ganzheit und einen Blick dafür, wohin es sich in einem sich verändernden Markt bewegt. Fazit: "Computer besitzen so eine Sichtweise nicht".

Merke also: Gerade weil sich Technologie so schnell entwickelt, sollte, wer überleben will, sich ihr nicht allzu früh ausliefern.
 
 
 
 
 
 
VON UNSEREM PARTNER
 
 
 
 
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Digitalisierung + Verwaltung = Perfect Match! <3

 
Countdown zur Einreichfrist: Bis zum 5. März 2019 können sich Organisationen der Bundes-, Landes. und Kommunalverwaltung sowie Institutionen des Gesundheitswesens beim Digitalisierungswettbewerb (18. eGovernment-Wettbewerb) bewerben.
 
 
 
 
 
 
 
  Zum breiten Themenspektrum des Wettbewerbs zählen Ideen wie der Einsatz von Robotics und Künstlicher Intelligenz bei Verwaltungsvorgängen, die Nutzung der Chancen durch das Internet der Dinge, die Schaffung leistungsfähiger und sicherer IT-Architekturen ebenso wie Prozessveränderungen, Programme zur Gewinnung qualifizierten Personals, Schulung der Mitarbeiter, Veränderungsmanagement und intensivere Kooperationen zwischen Organisationen.

Die Teilnahmeunterlagen liegen unter www.egovernment-wettbewerb.de bereit.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

 
 
 
 
 
DIGITAL GOOD LIFE
 
 
 
 
 
Ein Morsecode für Kopulationsofferten
 
Auf der Crowdfunding Plattform “Kickstarter” lässt sich derzeit ein Paar dabei beobachten, wie es beim Liebesvorspiel scheitert. Die merkwürdigen Videos gehören zum Marketing für einen Turboknopf, mit dem Paare sich bald des gegenseitigen Interesses an mehr versichern sollen. Ein bisschen erinnert der Knopf des Startups LoveSync an den Quietschmeister, der beim Gesellschaftsspiel “Tabu” verhindern soll, dass man unerlaubte Worte benutzt. Womit wir beim eigentlichen Thema wären. “LoveSync” glaubt nicht daran, dass Paare darüber sprechen könnten, Sex zu haben (oder auch nicht), oder sonstwie in der Lage wären, eindeutig zweideutige Signale zu senden.

Deshalb macht “LoveSync” aus dem schönsten und schwierigsten Prozess der Welt eine Frage technischer Interoperabilität. Partner A drückt seinen Knopf. Der Knopf speichert die Bekundung des Verlangens für eine gewisse Zeit und signalisiert die anhaltende Bereitschaft durch grünes Leuchten (siehe Straßenverkehr). Drückt auch der andere Partner seinen Knopf, wissen beide: Jetzt wäre die Gelegenheit da. “LoveSync” glaubt, mit einem Morsecode für Kopulationsofferten ließe sich das Risiko der Zurückweisung minimieren. Für den Notfall aber kann bekundete Begierde auch zurückgezogen werden: “Desire may be cancelled using a 4 second button hold.”

 
 
 
 
 
PODCAST
 
 
 
 
 
Wenn Roboter töten
 
Heute endet die Münchner Sicherheitskonferenz. Zentrales Thema beim Gipfeltreffen der Security-Gemeinde war, wie intelligent Waffen sein dürfen. Denn Drohnen und autonome Maschinen, die über Leben und Tod entscheiden, sind für Militärs in den USA oder China keine Zukunftsmelodie mehr. Léa Steinacker und Astrid Maier diskutieren in unserer neuesten Podcast-Folge mit einem der profiliertesten Experten Deutschlands, Dr. Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München, über die Grenzen der Ethik, wenn bald nur noch Roboter in den Krieg ziehen.
 
 
 
           
 
 
 
 
 
ADA
AUTORINNEN UND AUTOREN
 
 
 
 
 
 
Miriam Meckel
 
 
Astrid
Maier
 
 
Sven Prange
 
 
Milena Merten
 
 
Léa Steinacker
 
 
 
 
 
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